Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-HEKORATION

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BILDHAUER BRUNO ZIEGLER —OOTHA. ENTWURF ZU EINEM SPEISE-ZIMMER.

ÜBER GARTEN-GESTALTUNG.

Der Garten ist ein notwendiger Schmuck des Eigen-
hauses, so sehr, daß uns ein Eigenhaus ohne
diesen lebend-grünen Kranz eines wesentlichen Bestand-
teiles zu entbehren scheinen würde. Unsere Architekten
bevorzugen zurzeit die rein architektonische Gaxten-
anlage, die Gefahr einer gewissen Nüchternheit liegt
aber hier nahe; zum mindesten sollte die Verwendung
von glatten Flächen und Verputz vermieden und das
Gemäuer so behandelt werden, daß das pflanzliche
Leben überall sich einnisten und entfalten kann. Auch
die Anlage eines »wildwachsenden« Gartens erfordert
aber einen ausgeprägten künstlerischen Geschmack,
wenn in der Farben-Verteilung und im Hervorrufen einer
intensiven Stimmung Wertvolles geboten werden soll.

Gute und vernünftige Gesichtspunkte hat Baillie
Scott in seinem Werk »Houses and Gardens« dar-
gelegt. Baillie Scott geht von der Überlegung aus,
daß die Unterhaltungskosten unserer Gärten keine zu
großen sein dürfen und daher der Garten keine allzu-
große Pflege beanspruchen soll. Die Bestandteile eines
typischen Gartens wären demnach ein Blumengarten,
zur Hälfte als Rosengarten angelegt, zur andern
Hälfte mit perennierenden Blumen evtl. auch Nutz-
pflanzen besetzt; daran sollen sich einige größere
Rasenflächen gliedern, wenn möglich in Verbindung
mit einer Obstanlage. Der hohe Wert eines, wenn
auch noch so kleinen Obstgartens, wird neuerdings
auch bei uns, speziell in Bayern, betont. Zweckmäßigkeit
und Schönheit verbinden sich hier auf das angenehmste.

Der Garten soll nicht zu offen, noch der Sonne zu
sehr exponiert sein, er soll voll Heimlichkeit und Uber-
raschungen, voll Licht und Schatten sein. Einer seiner
anziehendsten Faktoren ist darum die Pergola, deren
gepflasterter Boden bunt gesprenkelt wird von den
Schatten der Schlinggewächse, die sich über Wände
und Dach ranken. Andre schattige Partien können
durch Bepflanzung mit Haselnuß und Weidengebüsch
erzielt werden und durch diese schattigen Gesträuche
muß sich ein Durchblick eröffnen auf eine offene
sonnenbeschienene Rasenfläche oder auf ein buntes
Blumenbeet. Dunkle Eiben- und Taxus-Hecken sollen
hinwiederum den Hintergrund für den leuchtenden
Blumenflor und das helle Wiesengrün bilden.

Die Wege, — mit Platten belegt, um die Arbeit
des Jätens zu ersparen. — sollen nur sparsam angelegt
werden und sich nicht in unnötigen Windungen bewegen,
sondern die kürzeste Strecke sein zu einer Ruhebank,
Pergola oder einem Brunnen an ihrem Endpunkt.

Rein Garten ist vollkommen ohne Wasser, ein
plätschernder Brunnen ist ein belebendes Element, das
auch die Singvögel veranlaßt, in dem Garten Aufent-
halt zu nehmen. Von seltsamer Schönheit sind flache
Wasserbecken mit dem üppigen Reichtum der Wasser-
pflanzen und dem reizvollen Leben der Wasscr-
tierchen. — Der Eingang des Fagenhauses sollte mit
dem Garten in inniger Beziehung stehen und nach
amerikanischem Vorbild als große, geschützte und be-
wohnbare Vorhalle ausgebaut werden. langdanoli.
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