Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INN EN-DEKORATION

ARCH. FRITZ AUGUST BREUHAUS (F. A. BREUHAUS, C. MAUVE—DÜSSELDORF). SPEISE-ZIMMER. AUSF.: HILGERS NACHF.

RHYTHMUS UND BEWEGUNG.

ZU DEN ARBEITEN VON ARCHITEKT FRITZ AUGUST BREUHAUS.

Bei der Fülle der Momente, welche in der Architektur
in Betracht kommen, ist man sich oft nicht klar,
worauf der Schwerpunkt zu legen ist. Bei einer Kritik
wäre es vielleicht am besten, im Voraus festzustellen,
welche Dinge man hervorheben will, um danach seine
Auffassung zum Ausdruck zu bringen. Wir sind der
Meinung gewesen, daß es möglich ist, bei den Ab-
bildungen von einigen der letzten Arbeiten von Architekt
F. A. Breuhaus einige Grundprinzipien zu entwickeln
und es alsdann dem Feser überlassen zu können, mit
sich auszumachen, wie weit diese in seinen Arbeiten
zum Ausdruck gekommen sind. Dadurch wird die
langweilige Beschreibung der Gegenstände vermieden
und man kann weniger voreingenommen die ästhe-
tischen Wirkungen in sich entstehen lassen. Kunst
soll zunächst genossen werden. —

Zunächst ist ersichtlich, daß in der modernen Be-
wegung der letzten Dezennien der rhythmische Grund-
gedanke wieder neu aufgenommen ist und äußerlich,
sogar oft rein mechanisch angewandt wurde. An sich
genommen ist die Wiederholung eines der wichtigsten
Elemente der Natur und der Kunst, so ist z. B. jede
beliebige Zahl die x-malige Wiederholung der Finheit
oder sie ist als Einheit zu betrachten, die durch das
Prinzip der Bewegung ihr Wachstum erfuhr. Hierdurch
tritt die Einheit in steter Folge wieder auf und bleibt
dadurch dauernd wahrnehmbar. Die Einheit ist geo-

metrisch als Punkt zu betrachten und läßt nach hinzu-
tretender Bewegung eine Finie entstehen, die ihrerseits
wieder des weiteren eine Fläche zu bilden vermag,
welche in weiterer Entwicklung den dreidimensionalen
Raum schafft, dem im Bau des Kosmos dieselbe Wich-
tigkeit beizumessen ist, wie in der Architektur.

Die Einheit als Atom, als Einheit eines Materials
betrachtet, wird durch die hinzutretende Bewegung in
eine Erscheinung verwandelt, welche wir Schwere
nennen, und so ergibt sich also eine ganze Reihe
wichtiger Tatsachen, die in der Kunst eben so sicher
ihren Einfluß ausüben, wie auf allen anderen Gebieten.

Im Kunstgebiet hat man die Wiederholung Rhyth-
mus genannt, und die Symmetrie ist nach der Auf-
fassung Vitruvs in den neusten Auslegungen dieses
Wortes nicht nur die Wiederholung der einen Hälfte
eines Gegenstandes, sondern es ist darunter die Wieder-
holung überhaupt, resp. die stete Wiederkehr gleicher
Maß-Einheiten für einen bestimmten Zweck zu ver-
stehen. Auch der Begriff Harmonie ist auf Gleichheit
und Übereinstimmung, also auf Wiederholung zurück-
zuführen, und man täte vielleicht gut daran, in diesem
Wort den Ausdruck einer Einheit in Verbindung mit
der Bewegung zu erblicken.

Die moderne Kunst als Ganzes genommen und die
Architektur und Raumkunst im besondern, haben sich
mehr oder minder bewußt mit dem Wiederholungs-
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