Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 20
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CRE1S MOSBACH.

führten Berichte in der Oberrh. Ztschr. XXXIV) geben uns leider nur wenig näheren
Einblick in die baulichen Verhältnisse der Kirche und des Klosters. Wir erfahren
eigentlich nur das eine Neue daraus, dass die »mittel Mauer als Claufsur« in der Kirche
abgebrochen worden sei, d. h. dass auch hier wie in allen Klosterkirchen ein massiver
Lettner vorhanden war, dessen Spuren sich freilich nicht mehr nachweisen lassen.
Auch die Zerstörung der grossen kostbaren Orgel wird erwähnt. Wenn die historia
domestica aber von dem »grossen Abteigebäude« spricht, das dem Boden gleich
gemacht sei und dessen Balken und Steine nach auswärts entführt seien, so kann
damit nur der oben erwähnte zweite »Fremdenbau« des Abtes Johann genannt sein,
und weder der »alte Abtsbau«, der Ende des XVII. Jhs. (s. Merian) noch vorhanden
war, noch das Abteigebäude, das heute noch steht. Der im »wahrhafften Bericht«
erwähnte »Bau vor der Abtei« ist also auch offenbar mit diesem Fremdenbau identisch.

Drei Jahre, bis zum Siege der Kaiserlichen bei Nördlingen, dauerte das prote-
stantische Regiment in Bronnbach. Der unter Würzburgischem Schutze zurückge-
kehrte Abt Johann Feilzer weihte die Kirche auf's Neue, stellte die zerstörten Altäre
nothdürftig wieder her und mühte sich nach allen Richtungen, die erlittenen Schäden
wieder auszubessern; aber weder ihm noch seinen Nachfolgern Johann X. Thier-
lauf (1637—1641) und Friedrich Gros (1641—1647) war es beschieden, das
Kloster zu dem alten Wohlstande zurückzuführen, wenn Letzterer es auch wenigstens
verstanden hat, die gesunkene Zahl der Conventualen wieder auf 17 zu vermehren.
Von seinem Nachfolger Abt Friederich Gross (1641—1647) rührte laut Inschrift
(s. unten) die würdige Wiederherstellung des von den Wertheimern und Schweden ver-
wüsteten Chores im Jahre 1641 her.

Mit dem Ende des 30jährigen Krieges und der Erwählung des Valentin
Mammel aus Mellrichstadt (1647—1670) sollten endlich wieder bessere Zeiten auch
für Bronnbach heraufziehen. Der' letzte glorreiche Abschnitt in der Geschichte der
alten Abtei beginnt. Aeusserlich gekennzeichnet wird der eingetretene Umschwung
durch die Errichtung des grossen Kreuzaltars im nördlichen Querschiff (s. unten S. 44)
im Jahre 1667.

Wir hören von Wiedererwerbung verlorenen Klostergutes, von Schenkungen und
glücklich beigelegten Streitigkeiten, wodurch der Grund zu dem wachsenden Wohl-
stande, wie er sich in den Neubauten der nächsten Decennien ausspricht, gelegt wurde.
Der Grabstein Valentin Mammels hat jetzt einen wohl verdienten Ehrenplatz links
beim Aufgange zum Chor am Bogenpfeiler erhalten. Diesem gegenüber steht der
Grabstein seines Nachfolgers, des Abtes Franz Wundert (1670—1699) aus Grüns-
feld, eines der gelehrtesten, thätigsten und vor allen Dingen baulustigsten Prälaten in
der langen Reihe der Bronnbacher Aebte, so dass Caspar Merian ihn auf dem Wundert
gewidmeten Stiche als Denjenigen bezeichnen konnte, „so dieses Gotteshaus meistens
Gebäu auf getickt und dass gantze Convent Kostbariich von neuem heraus gebauet
habe." Auch im lib. mort. findet sich ein Hinweis darauf mit folgenden Worten: »com-
paravit statuas argenteas, duos calices aureos, plura erexit aedificia«. Auf ihn ist
vor Allem der Neubau des Dormitoriums, d. h. der oberen Stockwerke des Con-
ventbaues im Osten des Kreuzganges zurückzuführen und, wie sein Wappen oben am
Brunnenhaus andeutet, auch der Umbau des Oberstockes des Noviziatbaues mit dem
neuen Sommer-Saal (Saletgen) und des westlich vom Brunnenhause liegenden Bau-
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