Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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KREIS MOSBACH.

kmcl zu erblicken haben, sodann im Kapitelsaal, Kreuzgang und Brunnen-
hause den allmähligen Eintritt und die Vollendung der Gothik verfolgen können,
steht das Krankenhaus als Musterbau der ernsteren Richtung des süddeutschen
Barocks da, der Josephsbau mit seinem Theaterschmuck im Innern dagegen als der
Gipfelpunkt der Hohlheit und des eitlen Prunkes jener Tage. Wie viel reizvoller
würde sich dies wechselnde Bild noch gestalten, wenn manche ältere Theile weniger
verwahrlost, und die neueren Bauten nicht durch ihre Verwendung zu profanen Zwecken
(Bierbrauerei) entstellt worden wären.

Beschreibung der Klosterbauten.

A. Die Kirche.

Die Kirche (tit. S. Maria) ist eine kreuzförmige, dreischiffige, gewölbte Pfeiler-
Säulen-Basilika mit rundem Chorabschluss und 4 Seitenkapellen am Querschiff. Die
sehr bedeutenden Abmessungen des Gotteshauses sind aus dem Grundriss (Fig. 4) und
den beiden Schnitten (Fig. 7 und 8) zu erkennen.

Material: Quader und Bruchstein-Mauerwerk aus dem rothen Sandstein der
Gegend.

Die oben angedeuteten Widersprüche bezüglich der Gründung des Klosters ver-
dunkeln auch die Entstehungsgeschichte der Kirche. Dass die Kirche mit den übrigen
Klosterbauten gleichzeitig in Angriff genommen worden ist, unterliegt keinem Zweifel.
Wenn aber Lorenz Fries (s. oben) die i. J. 1151 begonnenen Klosterbauten bereits
1157 vollendet sein lässt (s. die Ludwig'sche Ausgabe S. 510), so kann sich dies nur
auf eine erste provisorische Anlage beziehen, denn weder die jetzige Kirche
noch die aus der ältesten Zeit erhaltenen Theile der übrigen Regularbauten können
sämmtlich innerhalb dieses kurzen Zeitraums entstanden sein. Ein Theil der letzteren ist
zudem, wie unten nachgewiesen werden wird, vor Erbauung der jetzigen Kirche bereits
vorhanden gewesen. Hiermit in Uebereinstimmung steht die einzige mit Sicherheit auf
die jetzige Kirche zu beziehende Angabe am Schluss einer vom Vicedecan und Kapitel
des Neumünsters in Würtzburg ausgestellten Urkunde v. J. 1222. Es heisst dort (s.
Württemb. Urkundenbuch VI, 503): „Hec acta sunt äo domince incarnationis M" CO
XX" II" domino Honorio (III) sancte Romane Kathedre presidente, victoriosissimo
Romanorum Imperatore Friderico ac rege Sycilie regnante, domino Ottone Episcopo
Erbipolensi vivente III Kalendas Maji ecclesia in Brunnebach c'onse-
crata . . ."'.

Die Einweihung der Kirche ist danach erst im Jahre 1222 erfolgt und
den Ausstellern der Urkunde als ein so wichtiges Ereigniss erschienen, dass sie dies
einer besondern Erwähnung in der angegebenen Weise für würdig gehalten haben. Die
Bauformen, welche erst ganz zuletzt einen Anklang an die gothische Stilgebung auf-
weisen, stehen mit dieser Angabe völlig in Einklang. Der Stil des Gotteshauses ist
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