Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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AMT WERTHEIM.

BRONNBACH.

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östlich anstossenden Räumen. Dass dieser Raum noch im XVII. Jh. benutzt worden ist,
beweisen die Spuren der Stuckverzierimg auf den alten Kappen. Der ganze ehemals freie
Raum südlich vor dieser Abtheilung wird durch moderne Keller-Anlagen eingenommen.
Die beiden Obergeschosse befinden sich in nicht weniger verwahrlostem Zu-
stande als die untern Räumlichkeiten. Im ersten Stock liegt hier ein jetzt als Tischlerei
benutzter geräumiger Saal, dessen Stuckdecke durch hübsch verzierte Holzständer getragen
wird, und der wohl als kleiner Winter-Speisesaal (saletgen), von dem wiederholt die Rede
ist, gedient haben mag. Die Formen weisen auf die Zeit des Abtes Franz Wundert
hin. Mit dem Aufbau des zweiten Stockes scheint also eine Erneuerung des darunter
liegenden Geschosses Hand in Hand gegangen zu sein. Indem man das Noviziat in den
obersten Stock legte, wurde das erste Stockwerk als Speisesaal frei, und eine direkte Ver-
bindung vom Dorment aus hergestellt.

Dem Conventsbau entspricht an der Westseite des Klostervierecks der in fast
gleichen Abmessungen gehaltene neue Abteibau, das ehemalige Cellarium. Auch hier
handelt es sich um ein romanisches Erdgeschoss, auf welchem in späterer Zeit zwei Ober-
geschosse neu errichtet worden sind, auch hier ist offenbar der romanische Bau bereits
gestanden, als die jetzige Kirche gebaut wurde. Zu diesem Schlüsse führt die Betrachtung
des an die Kirche anschliessenden nördlichsten Bautheiles. Wir sehen hier nämlich in etwa
2 m Abstand vom südlichsten Strebepfeiler noch die alte romanische Ecke mit ihren
Quadern am Erdgeschoss bis zur Höhe des ersten Obergeschosses aufsteigen. Als nun unter
Abt Wigand Mayer gegen Schluss des XVI. Jhs. hier der zweigeschossige neue Ober-
bau errichtet wurde, schlug man zunächst über der Zwischenmauer zwischen Cellarium
und Kirche, d. h. zwischen der Ecke und dem Strebepfeiler, einen Bogen herüber (gleich-
falls noch sichtbar), auf dem die Frontmauer bis zum Anschluss an die Kirche fortgesetzt
werden konnte. So entstand die einst über dem südlichsten Strebepfeiler frei hervor-
tretende und dort sogar auf unserm Lichtdruck (Taf. 2) noch deutlich erkennbare, ehemalige
zweite Abteibau-Ecke. Einer dritten Bauperiode unter Abt Franz Wundert i.J. 1672
(s. unten) gehört sodann der Rundbogen an, der die Differenz der Fluchtlinien von
Kirche und Abteibau, d. h. den Vorsprung des letztern ausglich, und die Durchführung
des Abteidaches über das Seitenschiffdach hinweg bis zum Mittelschiff der Kirche ermög-
lichte (vgl. oben S. 40). Schliesslich wurde das Mauerstück mit dem Fenster unten zwischen
der alten romanischen Ecke und dem Strebepfeiler eingesetzt. Dass dies erst nach Her-
stellung des erwähnten Bogens zur Füllung der Lücke geschehen ist, beweist das Vortreten
des Sockels des Strebepfeilers im Innern des betr. Raumes, dessen Fussboden ausserdem
wesentlich höher liegt, als der des südlich anstossenden grossen Cellariums. Wir haben
also hier denselben Vorgang wie beim Conventsgebäude, dass nämlich der vorhandene
Bau mit dem Neubau der Kirche nachträglich in Zusammenhang gebracht worden ist,
nur mit dem Unterschiede, dass dies beim Cellarium sehr viel später geschehen und der
Zwischenraum Jahrhunderte lang, wahrscheinlich als Haupteingang zur Clausur bestanden
hat, ehe der Ausgleich beider Fronten und der vordere Abschluss der Lücke durch eine
Wand erfolgten.

Das Erdgeschoss des Abteibaues besteht aus zwei langgestreckten zweischiff igen,
gewölbten Sälen, die etwas nördlich von der Mitte durch einen Korridor getrennt sind. In
den nördlichen, kleinern Raum, dessen Sohle über 1,00 m unter dem jetzigen Terrain liegt, und
in dem wir zweifellos das eigentliche Cellarium, d. h. den Haupt-Vorrathskeller für das

Abteibau
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