Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 124
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j24 KREIS MOSBACH.

des gesammten in Gamburg belegenen adelichen Besitzes, mit Ausnahme des Stetten-
berg'.sehen (s. u.) wurde. Im Jahre 1568 starb Eberhard von Rüdt ohne männliche Nach-
kommen und hinterliess die in 3 Loose getheilte Herrschaft Gamburg seinen 3 Töchtern
und deren Ehemännern Eberhard Brendel von Homburg, Dietrich von Hat-
stein und Dietrich von Ehrenberg. Die bei dieser Verloosung dem Dietrich von
Hatstein zugefallene Burg ging in Folge von Schwierigkeiten bezüglich der Auszahlung
der Ausgleichsummen durch Tausch 1570 in den Besitz des Eberhard Brendel über, der
aber ebenfalls ohne männliche Nachkommenschaft starb, so dass 1590 mit dessen beiden
Schwiegersöhnen Hartmut dem Aeltern und Hartmut dem Mittleren von
Kronenberg abermals ein anderes Geschlecht dort Einzug hielt.

Nachdem die Vettern durch Ankauf des Schlosses und Freiguts Uissigheim (von
dem Edlen von Kröll) sowie der Eulschirbenmühle (s. oben S. 99) ihren gemeinschaftlichen
Besitz nicht unbeträchtlich vergrössert hatten, kam es i. J. 1592 zur Theilung, bei der die
Burg mit den dazugehörigen Gütern dem Aeltern Kronenberg, das sogen. Uissigheimer
Loos, d. h. das untere Schloss mit der Uissigheimer Besitzung und der Eulschirben-Mühle,
dem Jüngern zufiel. Beide Kronenberg starben ebenfalls ohne männliche Nachkommen-
schaft. Die Töchter Beider heiratheten wiederum zwei Vettern, und zwar die Tochter
des altern Kronenberg den WolfDiether von Dalberg, und die Tochter des Jüngern
Kronenberg dessen Vetter Johann Georg von Dalberg, der dadurch Herr des
Uissigheimer Looses wurde, während Wolf Diether in den Besitz der Gamburg kam.
Nachdem der Sohn des Letztern, WolfHartmann eine Freiin Echter zu Mespel-
brunn geheirathet hatte und damit in Besitz des Schlosses Mespelbrunn im Spessart
gelangt war, nachdem ferner durch dessen 3 Söhne die letzte im Orte noch bestehende,
»freyadeliche Wohnung« der Herrn von Stettenberg (s. o.) im Jahre 1669 erworben worden
war, kam es im Jahre 1681 zunächst zu einer Theilung des Dalberg'schen Besitzes, wobei
Johann Philipp Eckenbert neben Schloss und Herrschaft Dalberg auch »das halbe
Schloss Gamburg, Kellerey und ij8 Theil am Flecken Gamburg sammt aller Ein- und
Zubehörung« erhielt. Vier Jahre darauf erwarb derselbe vom Erben der Jüngern Dal-
berg'schen Linie, einem Herrn von Hoheneck, um den Preis von 98001!. die 1592 abge-
trennten Uissigheimer Besitzungen zurück, während das restirende halbe obere Schloss etc.
(s. oben) erst unter dem Sohne Johann Philipp Eckenberts durch dessen Mutter und
Vormund von Franz Anton, Damian Casimir und Franz Anton von Dalberg
um 25000 fl. erworben wurde. Damit war die ganze Herrschaft Gamburg mit
Ausnahme des untern Schlosses wieder in einer Hand und gelangte so, nachdem der
erwähnte einzige Sohn Anselm Franz Friedrich Wolfgang i. J. 1701 minderjährig
verstorben und mit ihm die Ruppertsberger Linie erloschen war, an die einzig überlebende
Tochter Maria Clara Philippina und mit deren Verheirathung an Johann Philipp,
Grafen von Ingelheim, dessen Geschlecht heute noch im Besitze der Burg ist.
Burg Wie fast alle Burgen der Gegend, liegt auch die Veste Gamburg auf einer vor-

springenden Bergnase, die durch einen breiten Sattel und ausserdem durch einen Hals-
graben vom Hauptberge getrennt ist. Der Blick von hier oben ist durch die Krümmung
der Berge des Tauberthals verhältnissmässig nah begrenzt, doch beherrscht die Höhe
Fluss und Weg im engen Thal so vollkommen, dass die Oertlichkeit von jeher zur Anlage
einer Veste gelockt haben muss. Die erste Erwähnung eines castrum Gamburc fällt,
wie wir gesehen haben, in das Jahr n57, doch ist nicht zu zweifeln, dass bereits
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