Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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KREIS MOSBACH.

Stadtbefestigung

»zwischen Lichtmess und Fastnacht« genommen. Trotz des Widerspruchs seines inzwischen
zur Herrschaft gelangten ehemaligen Verbündeten behauptete sich Graf Johann vier Jahre
in Külsheim bis zur schiedsrichterlichen Entscheidung durch den Pfalzgrafen Philipp
i.J. 1480, die zu Ungunsten des Wertheimer Grafen ausfiel. Ob die Herren von Wittstadt
(s. oben deren Grabsteine in Bronnbach S. 73) in der ersten Hälfte des XV. Jhs. Besitzer,
Pfand- oder Lehensherren von Külsheim gewesen sind, ist dabei eben so unsicher, wie

der erwähnte Anspruch des Wert-
heimer Grafen an Schloss oder Stadt
(s. A. Kaufmann, die Külsheimer
Fehde, im Archiv des Histor. Vereins
von Unterfranken und Aschaffen-
burg XIV (1856) S. 190 ff. undK.
Wagner, Graf Johann III. von Wert-
heim, ebenda XXX. (1887) S. 255.
Im Bauernkriege 1525 und
durch die Mordbrennerhaufen des
Markgrafen Albrecht von Bran-
denburg 1552 arg mitgenommen,
blieb Külsheim kurmainzische Ober-
amtmannschaft, bis es 1803 durch
denReichsdeputations-Hauptschluss
an Leiningen und 1806 an Baden
kam. Das Schloss fiel 1842 der
Gemeinde zu.

Von der alten Stadtbe-

Kirche

Fig. 50. Külsheim. Kirche.

festigung, die 18 Thürme enthalten
haben soll, ist bis auf Reste oben
östlich von der Kirche und beim
Schlosse nichts mehr vorhanden. Der
letzte Thor-Thurm (s. unten) 1890
abgerissen.

Auf der Höhe, im Nordosten
über der Stadt gelegen, die:

Kath. Pfarrkirche (tit. S.
Martin); dreischiffiges, flachgedecktes
Langhaus, gestreckter, dreiseitig ge-
schlossener Chor mit reichem Netz-
srewölbe. Thurm und Sacristei an

der Nordseite des Chores (Grundriss Fig. 50).

Es sind 3 Bau-Perioden zu unterscheiden.

1. Aelteste Anlage, etwa aus der Mitte des XIII. Jhs. Einziger Rest in den
beiden Untergeschossen des Thurmes erhalten. Das Sockelgesims im Innern des Thurmes
zeigt eingeschnittenen Rundstab über steiler Schräge; ferner ein schmales, spitzbogiges
Fenster in der Nordwand des Erdgeschosses. Die beiden Gurtgesimse, die die Stockwerke
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