Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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AMT WERTHEIM. — WERTHEIM.

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Geschichte der Gräfe

en.

Ursprung und Herkunft des Geschlechtes der alten Wertheimer Grafen sind in Die Grafen von

r ° . Wertheim

Dunkel gehüllt. Auch nach den Untersuchungen H. Bauer's kann man dasselbe mit ca, „00-1556
einiger Sicherheit nicht weiter als bis zum Ende -des XI. Jhs. zurückverfolgen und einen
Zusammenhang mit den Herren von Schwanberg (Schweinburg) annehmen, deren
einer, Namens Wolfram, sich in dem Orte Wertheim, der ja schon 1009 zu einem
»Markt« erhoben war, niederliess und dann Graf von Wertheim nannte.- Diesem in die
Jahre 1097 bis ca. n40 zu versetzenden Graf Wolfram I. ist denn auch allerwahr-
scheinlichst die erste Anlage der eigentlichen Steinburg daselbst zuzuschreiben.

Eine genauere Kunde wird erst mit seinem Nachfolger Gr. Wolfram IL (1142
—58) eröffnet, der sich nicht nur im Besitze ansehnlicher alter Allodialgüter, unter denen
vor Allem Stadt und Burg Wertheim sowie das auf dem rechten Mainufer gelegene Dorf
Kreuzwertheim zu nennen sind, sondern auch zahlreicher Lehenstücke der Bisthümer
Würtzburg, Eichstätt, Bamberg, des Erzbisthums Mainz und der Abtei Fulda befand.
Das Gebiet der Grafschaft, im Laufe der Zeit natürlich mannigfach sich ändernd, um-
fasste wesentlich Theile der alten Gaue Waldsassen, Tauber, Main und Bach, und erwei-
terte sich noch in den Jahren 1321—36 durch den halben Antheil an der Herrschaft
Breuberg im Odenwalde, die dann im J. 1497 ganz erworben und damit ein Hauptbe-
standtheil der Grafschaft wurde.

Das von den Grafen Wolfram I. und IL gegründete Geschlecht der eigentlichen
Wertheimer Grafen theilte sich in Folge der von Gr. Eberhard am 23. Aug. 1371
angeordneten Primogenitur und der darauf hin von Gr. Johann I. am 4. Mai 1398 ein-
gerichteten Secundogenitur vorübergehend in eine ältere Linie Wertheim und eine jüngere
Linie Breuberg, die aber mit dem Aussterben der ersteren im J. 1497 wieder vereinigt
wurden. Mit dem Tode des Gr. Michael III. (14. März 1556) erlosch das Geschlecht.

Dem bedeutenden Umfange seines territorialen Besitzstandes entsprechend war
auch die Stellung und das Ansehen der Wertheimer Grafen hervorragend; viele seiner
Vertreter nahmen an den allgemeinen Reichs-Angelegenheiten regen Antheil und standen
in näheren Beziehungen zum Reichsoberhaupte, dem Kaiser. Nicht allein, dass sie bei
deren Krönungen als Zeugen gegenwärtig und auf den Reichstagen häufige Besucher
waren, sondern auch an den kriegerischen Unternehmungen und Verwicklungen bethei-
ligten sie sich persönlich. Vielleicht schon Gr. Wolfram IL, jedenfalls Gr. Poppol.
(1163—1212) kämpfte von 1183—91 in den Kreuzzügen; in den langen Streitigkeiten
der hohenstaufischen und späteren Kaiser mit dem Papst oder mit Gegenkönigen standen
die Wertheimer Grafen treu und beharrlich auf Seiten des Ersteren; auch in den Hus-
sitenkriegen von 1420 und 1427 zogen Gr. Georg I. und Johann IL persönlich mit.
Erst gelegentlich des imj. 1476 in nächster Nähe ausbrechenden Aufstandes des Paukers
von Niklashausen, dann im Bauernkriege von 1525 und im Schmalkaldischen Kriege
trieben die Grafen theils aus Klugheit, theils aus religiösem Eifer eine Sonderpolitik
und verhielten sich entweder neutral oder schlössen, wie Gr. Michael III. im J. 1552,
sogar ein Bündniss gegen den Kaiser.

Aus ihren Verhältnissen zu ihren Lehensherren oder aus Verpfändungen aller Art
entsprangen selbstverständlich zahlreiche Verwicklungen und Fehden; die andauerndsten
und heftigsten waren die schon im J. 1233 beginnenden und bis in die Mitte des
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