Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 187
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AMT WERTHEIM. — WERTHEIM.

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Felde vorhanden gewesen und vermuthlich erst bei der Spaltung des Grafengeschlechtes
in zwei Linien (Anfang des XV. Jhs.) eine Umänderung zu einem blauen Felde erfolgt,
jene alten Farben (weiss und roth) aber seien eben die des fränkischen Herzogthums,
so trifft weder jene Behauptung noch die daran geknüpfte Erläuterung zu. In einer für
den Grafen Rudolf IV. im Jahre 1318 verfertigten Handschrift ist das Wertheimer
Wappen in Farben ausgeführt, zeigt ganz das Eingangs geschilderte Gesammtbild und
beweist also, dass bereits damals die Rosen in blauem Felde standen. (Anz. Germ.
Mus. 1854 Nr. 9.) Auf dem Ene'it-Bilde aber erscheinen wieder ganz andere Farben,
nämlich der Halbadler schwarz in Weiss und die Rosen roth in Weiss; da jedoch in
der Handschrift die Farbe aller Felder durchweg weiss gehalten d. h. der Pergamentton
ist, so sieht man, dass der Künstler auf eine richtige Wiedergabe der Tinkturen überall
keinen Werth gelegt hat. Leider ist dasselbe deshalb für alle auf die Tincturen sich
beziehenden Schlussfolgerungen unverwendbar, so beweiskräftig es sonst wegen des
hohen Alters und der zweifellos ursprünglichen Wappenbemalung sein könnte.]

Der Helmschmuck im eigentlich heraldischen Sinne wird dem Werthheim'schen
Wappen erst im Laufe des XIV. Jhs. beigefügt. Zwar hat schon auf dem Bilde der
Ene'it-Handschrift der betreffende Ritter eine aufrechte, mit Riemen umwickelte Hand
(ohne Tincturen) auf seinem Topfhelme, und auch auf den grossen Reitersiegeln der
Wertheimer Grafen Rudolf IL von 1283 und 1294 und Rudolf IV. von 1314 und 1323
(W. U. Taf. III und V) zeigen die grossen Kübelhelme eigenthümliche Aufsätze, allein
diese können nicht als »Helmschmuck« gelten. Als solcher erscheint vielmehr erst
später das obere Schildbild, der schwarze Adler, bald gekrönt wie auf dem Grabdenk-
mal des Grafen Eberhard (j- 1373) zu Bronnbach (Aschbach I, Abb. I zu p. 164),
bald ungekrönt wie auf den ältesten Münzen (Nr. 1, 2, 4—6, Fig. 69).

Um dieselbe Zeit erfuhr auch das alte Wertheim'sche Wappen eine Erweiterung
durch die. Aufnahme des Bildes der Herrschaft Breuberg, in deren halben Besitz Graf
Rudolf IV. im Jahre 1336 gelangt war. Dasselbe war fünffach quergetheilt silber, roth
(oder zwei rothe Querbalken in Silber) und das zusammengesetzte Wappen war dann
quadrirt aus Wertheim (1, 4) und Breuberg (2, 3). Auch hier zeigen sich später manche
Abweichungen z. B. in der Zahl der Breuberger Balken und auch in der Zusammen-
setzung des Wappens selbst, wovon das Siegel des Grafen Johann II. von 1419 (W.U.
Taf. IX, I), das Breuberg in (1, 4) und Wertheim in (2, 3) hat, ein flagrantes, unheral-
disches Beispiel liefert (s. z.B. auch unten den Wappenstein Fig. 101). Im Helm-
schmuck erscheinen seitdem auf dem gekrönten Adlerkopf und später auf der Helm-
krone zu Seiten des Adlers zwei oder vier Fähnchen mit den Breuberger Balken
(s. Fig. 68). Auf dem genannten Grabdenkmal des Grafen Eberhard ist das Wappen-
schild noch das einfache Wertheimer, der Helmschmuck dagegen schon der Wertheim-
Breuberger; auf dem Reitersiegel des Grafen Johann II. von 1419 (W. U. Taf. VIII)
entsprechen bereits beide der neuen Ausgestaltung. In Grünenberg's Wappenbuch
von 1483 (Batt 79b) ist das vergrösserte Wappen sonst richtig wiedergegeben, nur dass
der Adler des Helmschmuckes irrigerweise golden statt schwarz tingirt ist.

Mit dem Uebergange der Grafschaft Wertheim an den Grafen Ludwig von 2- Graf von
Stolberg wird naturgemäss auch ihr Wappen dem Gesammtwappen dieses Letzteren heim
eingereiht und erscheint nur ausnahmsweise, wie auf einigen Münzen (z. B. Nr. 9, Fig. 69),
noch selbstständig. Jenes Gesammtwappen enthält in seinen neun Feldern (vgl. Nr. 8
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