Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 195
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Vierte Münz-

ÄMT WERTHEIM. — WERTHEIM. j„i-

der Brüder Wolfgang Ernst und Johann Dietrich abgebildet, dessen Avers nur das Wert-
heimer Wappenschild zeigt, und in Fig. 13 ein schöner Thaler des letzteren Grafen vom
Jahr 1623, dessen Wappen seltsamerweise nur das alte Löwensteiner, ohne jede Bezieh-
ung zu Wertheim, darstellt. Schon dieser Graf und noch mehr sein Nachfolger Fer-
dinand Karl (1644—72) verlegten den Schwerpunkt ihrer Münzthätigkeit in ihre fernen
niederländischen Besitzungen (Rochefort, Chassepierre u. s. w.) und Hessen in ihrer
dortigen Münzstätte Cugnon sowohl (bis 1626) Silbermünzen (Thaler, Schillinge), als
auch später (1633 — 50) in grosser Menge Kupfer-Münzen (Liard, Double Tournois,
Denier) herstellen.

Wiederum folgt jetzt ein fast 7ojähriger Stillstand in der Münzprägung, bis im

Periode

Jahr 1691 die Grafen Eucharius Kasimir (1681—98) von der älteren und Maximilian Ca. 1690-1732
Karl (1672—17.18) von der jüngeren Linie dieselbe wieder aufnahmen. Beide haben
nicht allein zahlreiche kleine Geldsorten (4 und 1 Kr.), sondern auch besonders interes-
sante Denkmünzen (Doppel- und einfache Thaler, Gulden) schlagen lassen, z. B. die auf
die damaligen Kämpfe der beiden Linien mit einander sich beziehenden schönen Trutz-
thaler Nr. 14 (Fig. 69) und Nr. 19 (Fig. 70). Graf Maximilian Karl prägte ausserdem
auch die ersten Löwensteinischen Goldmünzen (Dukaten) und suchte die wichtigsten
Ereignisse seines inhaltreichen Lebens unter Heranziehung auswärtiger Künstler dem
Gedächtniss der Nachwelt zu erhalten. Davon geben z. B. die auf seine Ernennung
zum Reichskammergerichtsrath bezügliche Denkmünze Nr. 20 und der seine Erhebung
in den Reichsfürstenstand bekundende Augsburger Thaler Nr. 22, sowie die auf dieselbe
Veranlassung zurückzuführende grosse Medaille Nr. 21 — alles Arbeiten des bekannten
Augsburger Stempelschneiders P. H. Miller — entsprechende Kunde.

Nach dem Ableben jener beiden Münzherren erstarb allmählig die Prägelust wieder.
Graf Heinrich Friedrich (1683 —1721) liess bis 1704 nur noch einige kleinere Theilstücke
ausmünzen und mit den von Fürst Dominik Marquard (1718—1735) im Jahre 1732
ausgegebenen silbernen ij2 und */4 Kreuzer-Stücken erlosch die Münzthätigkeit ganz.

Erst nach etwa 30 Jahren ist sie dann abermals erwacht und bis zu ihrem Abschlüsse Fiinf« Münz-

, Periode

im Jahr 1806 von den Vertretern beider Linien nach dem seit 1753 eingeführten Con- ca. I766-i8o6
ventions-Münzfuss ausgeübt worden. Da in der älteren Linie das Verbot der Primogenitur
vorläufig noch herrschend blieb, so begegnet man nicht nur zahlreichen Münzherren auf
den von.ihr ausgegangenen Geldsorten, womit sich auch deren wechselndes Aeussere
erklärt, sondern auch wirklichen Gemeinschaftsmünzen. Auch haben sie in diesem letzten
Zeitabschnitt die Goldprägung aufgenommen und doppelte wie einfache Dukaten, dagegen
noch keine speciellen Kupfermünzen in den Verkehr gebracht. Der thätigste jener Linie
angehörige Münzherr ist der Graf Johann Ludwig Vollrath (1730—1790) gewesen.

Die jüngere, nunmehr fürstliche, Linie fand in dem Fürsten Karl Thomas (1735 — 1789)
einen Vertreter, in welchem sich schon im Jahre 1754 die Prägelust zu regen begann, in
den Jahren 1766 —1769 aber zu einer wahren Manie steigerte, so dass man von ihm
nicht nur alle Sorten silbernen Courantgeldes vom Thaler bis zum Kreuzer herab und
viele darunter in zahllosen Spielarten, sondern auch die ersten speciellen Kupfermünzen
(Kreuzer, Pfennige) antrifft. Auch sein Nachfolger, Fürst Dominik Constantin (1789
bis 1814) hat von grösseren Stücken zwar nur einen Gedenk - Gulden in seinem ersten
Regierungsjahr, kleinere Geldsorten dagegen und zwar besonders die Kupfertheilstücke
während einer Reihe von Jahren ausmünzen lassen.

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