Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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KREIS MOSBACH.

Wandgemälde

ocken

Am Pfeiler gegenüber:

26) Konrad Hünder -f- 1589.

Verzierte Bronzetafel mit dem von 2 Putten gehaltenen Wappen der Hünder (drei
radial gestellte Fische, cf. Waidenhausen) obenauf und der Grabschrift des gräflichen
Amtmanns. An den seitlichen Pfeilern vier kleinere Wappen. Reizendes kleines Werk
mit herrlicher Patina (s. Abbildung bei Ortwein a. a. O. Taf. 19).

Der Fussboden des Langhauses besteht zum grossen Theil aus Grabplatten und
Bruchstücken derselben von rothem Sandstein, von denen etwa 26 noch in den Gängen
sichtbar sind, während ein ebenso grosser Theil unter dem Gestühl verdeckt liegen mag.
Die meisten entstammen dem XVI. und XVII. Jh., doch sind auch nicht wenige aus dem
XV. Jh. dabei; so im Gange vor der südlichen Arkadenreihe der halb verdeckte Grab-
stein eines Geistlichen von 1426 und in der Nähe der eines am S. Paulstage verstorbenen
Ritters jJttnttJEtÜsl Hier und da auch eine schöne Renaissance-Umrahmung oder
Cartouche. In einigen wenigen Fällen ist die ganze Grabschrift noch zu lesen, wie z. B.
auf dem neben dem ersterwähnten liegenden Grabstein eines 1579 geborenen uni
gestorbenen Predigers, von dessen Wittwe gestiftet. In den meisten Fällen ist die Schrift
aber kaum mehr zu entziffern. Wie das hohe Relief einiger Steine wahrscheinlich macht,
haben diese ursprünglich an den Seitenschiff-Wänden gestanden, ehe hier die untern
Fenster eingebrochen worden sind.

Aussen südlich an der Sacristei ist schliesslich noch zu erwähnen der

Grabstein des Wertheimer Bürgermeisters Fritz Friedel (•)• 1480) und seiner
Ehefrau Margaretha, die beide betend, in Vorderansicht und in ganzer Figur darauf
abgebildet sind mit dem Wappenschilde (Figur: kleines gothisches f) zu ihren Füssen.
Die Umschrift bei Wibel a. a. O. S. 56 f.

Gelegentlich der Restauration der Kirche kamen unter der Tünche an vier Pfeilern,
und zwar an der innern, westlichen Seite kleine Wandgemälde zum Vorschein, welche
offenbar mit ehemaligen Seiten-Altären in Verbindung gestanden haben. In dem Fundations-
brief von 1419 (W. U. Nr. CXLIV) wird zwar nur der eine dieser Altäre, S. Georgs-Altar
genannt, da aber der Stil der Bilder eine spätere Entstehung, etwa um 1450, aufweist,
so mögen die drei übrigen Altäre wohl erst später gestiftet worden sein. Wegen zu
grosser Beschädigung ist das Bild S. Georgens wieder übertüncht worden, während die
drei übrigen: S. Gertrud, eine Märtyrerin (?) und die Heilige Dreifaltigkeit leidlich erhalten
und restaurirt erscheinen. Ein fünftes Bild aus derselben Zeit an der Nordwand. Tüchtige
derbe Arbeiten eines fränkischen oder schwäbischen Meisters.

Glocken.

Von den 7 Glocken, die in der Glockenstube des Thurmes der Wertheimer
Stadtkirche hängen, sind von Bedeutung nur:

1) Die Sturm- oder Hosianna-Glocke, die grösste 1,00 m hoch und 1,25 m
weit, vom Jahre 1495. Ihre Inschrift lautet: ÜUÖtUift Zy. ptM# ßolfac att£ nnfaait /

me tui üapt$33 nnmt o^ana btbit! rej: regit üdaS äejjcr tu uatc l&rigna /
nai öcel au nrm »tn, pdre fia&

Darunter ein Wappenschild mit einer Rosette (oder Kanne ?) und der Jahreszahl:

amio nni m cccc irrrru.
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