Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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KREIS MOSBACH.

bezeugen. In ihm ist der Schwager des Grafen Michael III., Graf Georg von Isenburg-
Büdingen, am 29. Juli 1577 gestorben, es muss also vordem und zwar wohl um 1550—70
errichtet worden sein. Zu dem Hause gehörte ein grosser Garten. In seinem Aeusseren
bietet es nur noch vom Hofe aus durch den schönen steinernen Erker und den eckigen
Treppenthurm einen alterthümlichen Eindruck. An ihnen und an den Fenstergewänden
erscheinen die Steinmetzzeichen:

Der Hofgarten mit Sommerhaus. Dieser zum Theil schon in der Eicheler
Gemarkung liegende, architektonisch unbedeutende Bau mit grösserer Gartenanlage ist
laut Inschrift von Graf Friedrich Ludwig im Jahre 1777 errichtet worden. .

Im Garten steht auf einem künstlichen Steinhügel mit Gewölbe ein Tempel, dessen
kuppeiförmiges Dach auf acht kanellirten Säulen mit korinthischem Capitell und hohen
Sockeln mit Löwenköpfen ruht. Diese Säulen sollen laut Ueberlieferung aus dem Treppen-
hause der alten, um 1610 begonnenen Kemenate (s. oben) herrühren und bei deren
Umbau im Anfange dieses Jahrhunderts hierhergeschafft und zu dem Tempelbau ver-
wendet worden sein.

Die Vollrath'sche Hofhaltung, nämlich die des Grafen Joh. Ludw. Voll-
rath (1721—90), ist das jetzige Ziegler'sche Haus (M 59) an der südlichen Ecke der
Mühlenstrasse und der Nebenrittergasse, in welchem vordem die Wenneis-Schilpp'sche
Weinwirthschaft betrieben wurde. Höchst wahrscheinlich ist dieses grosse Anwesen
identisch mit dem Ritter-Hofe des Herrn von Ergersheim, der aber schon im Jahr 1348
in den Besitz der Vicarier der alten Marienkirche überging und später von den Grafen
erworben wurde. Die an dem Hofthor in der Nebenrittergasse auftretende Jahrzahl 1,5^.-?
gehört zu einem beliebig verwendeten Werkstück von anderer Herkunft.

Die gräfliche Münze. Unter dem Namen »Münze« wird noch heute ein auf
der nördlichen Seite der Münzgasse belegener Gebäude-Komplex verstanden, der aus drei
ehemaligen Einzelhäusern besteht, von denen aber jetzt zwei in einer Hand (Schreiner
Unger, M 109) vereinigt sind, während das dritte (M 108) noch im fürstlichen Besitze
ist. 1) Das mittlere, durch einen hohen Treppengiebel gekennzeichnete Haus ist das
älteste, im Jahr 1577 gebaute; es zeigt ein hübsches, einfaches Renaissance-Portal, auf
dessen Schlussstein diese Jahrzahl eingehauen ist, während am Aussenrand der Spruch
umherläuft:

MEIN HER VND MEIN GOTT DEIILL MIER MITT DEIN GOTTLICH

GENAD

ICH GEHE REITT AUS ODER EIN WOLLEST DUE MEIN SCHUTZ-
SCHIRM GELEDTMAN SEIN.

Im Erdgeschoss ist noch eine Thür erhalten, deren Umrahmung aus Eichenholz
hübsch, zum Theil in Kerbschnitt, geschnitzt ist. Aussen findet man das Steinmetz-
zeichen 7V . In ihm hat der letzte Wertheimische Münzmeister Friedr. Stockmar gewohnt.

2) Das 1589 östlich angebaute und in gebrochener Front verlaufende Haus zeigt an
der vorspringenden Kante eine Tafel mit der Inschrift: jffänfsrfJEnljUntiett MtVM tlllö

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