Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 289
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AMT WERTHEIM.

WERTHEIIt

manns im bürgerlichen Schützencorps, der im Anfang des XVI. Jhs. in der Bürgerrolle
aufgeführt wird. Er stammt also ungefähr aus derselben Zeit wie »der Schimmel« und
entbehrt gleichfalls der Marke und des Zeichens. Während jener aber noch durchaus in
spätgothischen Formen gehalten ist, zeigt »der Fuchs« ausgeprägten Renaissance-Character.
Letzterer besteht aus zwei gleich grossen Bechern, die aufeinander gestülpt, 0,28 m hoch
und ringsum mit" je sechs getriebenen Relief-Bildchen in geschweifter Umrahmung, mit
Löwenköpfen und Fruchtstücken dazwischen, umgeben sind. Den Inhalt der an beiden
Bechern verschieden behandelten Darstellungen bilden groteske, z. Th. obscöne, dem
Leben und Treiben der Affen entnommene Scenen, vom derben Humor der Zeit gewürzt.
Die Höhlung unter den Füssen der beiden Halbbecher ist mit Glas verschlossen und
mit zwei Würfeln versehen.

Das Spital. Das im Tauberviertel an der Bahnhofstrasse gelegene Gebäude
stellt in seiner jetzigen Form ein von Nord nach Süd gehendes Langhaus mit zwei
kurzen vorspringenden Seitenflügeln dar. Der nördliche ist erst in den Jahren 1867—68
angebaut; der südliche ist ganz oder theilweise der einzige Ueberrest des um das
Jahr 1600 von Graf Ludwig II. von Löwenstein ausgeführten umfassenden Um-
baues, dessen Formgebung sich jedoch die späteren Neubauten angeschlossen haben.
Wie der älteste Bau dieser bis in die Mitte des XIV. Jhs. zurückreichenden Anstalt, in
welcher sich auch dieLaurentius-Kapelle(s. oben) befand, ausgesehen hat, ist unbe-
kannt. Sicher ist nur, dass der Löwenstein'sche Umbau einen näher an die Tauber
gerückten von Nord nach Süd gerichteten langen Flügel und einen senkrecht dazu
laufenden kürzeren Flügel längs der Spitalgasse (Engelsgasse), in welchem sich das Ein-
gangsthor und die zu einer Spitalkirche ausgebaute Laurentiuskapelle befand, dargestellt
hatte (Merian I). In der grossen Tauberfluth von 1732 (s. oben) wurde der östliche
Theil ganz, der südliche zum Theil und zwar einschliesslich der Kirche fortgerissen. Aus
dem Ueberreste dieses Flügels entstand dann der spätere Neubau, der aber in 1867/8
abermals verkürzt und mit einer neuen Giebelfront versehen wurde.

Im Spital wird ein hübscher Wappenstein aufbewahrt, dereinst über dem 1732
erhalten gebliebenen und erst 1867/8 abgerissenen Thor angebracht war. Er stellt die
älteste Form des Löwenstein-Wertheimer Wappens dar, nämlich in 1. Löwenstein, 2. Wert-
heim, 3. Scharfeneck, 4. Breuberg, im Mittelschild Bayern und die Helme von Wertheim-
Breuberg, Löwenstein und Scharfeneck. Auf dem Reste des Spruchbandes über dem
Wappen liest man H. Z. S. U. B. == Herr zu Scharfeneck und Breuberg. Er ist aus dem
gleichen Material wie das Eberstein'sche Epitaph im Chor der Stadtkirche (s. oben S. 260),
dem sogen. Andernacher Stein, gefertigt und zweifellos ein Werk aus der Zeit des Löwen-
stein'sehen Umbaues um 1600.

Spital

Friedhöfe.

Der allgemeine Friedhof lag früher auf den beiden Seiten der Stadtkirche. Erst im
Jahre 1538 wurde er in Folge der Stiftung eines reichen Wertheimer Bürgers, Hans
Rank, an seine jetzige Stelle am Bergabhange ausserhalb des Tauberviertels verlegt. An
der Aussenseite der Friedhofsmauer, an der Vockenroder-Strasse, befindet sich noch die
Gedenktafel an jene Stiftung mit Namen und Wappen des Hans Rank und der Jahres-
zahl 1538. Oben am Rande das Wertheim'sche und Limpurg-Gaildorf'sehe Wappen.
Er enthält an der Innenseite der östlichen und südlichen Umfassungsmauer noch zahl-

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Friedhof
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