Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 34.1918-1919

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PAUL HERRMANN

PARTIE AUS DEM PARK MONCEAU

DER RADIERER PAUL HERRMANN

Einige biographische Angaben zum Beginn.
Paul Herrmann ist in München am 5. Fe-
bruar 1864 geboren. Sein Vater war der Ad-
vokat Dr. Herrmann, ein freisinniger Politiker
von 1848, genannt „der rote Herrmann“, seine
Mutter Emma war eine geborene Schubart, die
Tochter des Münchner Bürgers J. B. Schubart, in
dessen Haus ein reger geistiger Verkehr herrschte.
Paul Heyse, der mit Anna Schubart, der Schwester
von Paul Herrmanns Mutter, verheiratet war, hat
in seinen „Jugenderinnerungen und Bekennt-
nissen“ das liebenswürdige Leben und Treiben
im Schubartschen Hause, das zu seiner Zeit eine
Ausnahmeerscheinung im ungeselligen Alt-Mün-
chen bildete, anmutig beschrieben. Eindrücke
des großelterlichen und elterlichen Hauses, be-
sonders aber des Kreises um den verehrten Onkel
Paul Heyse, bekränzen die Kindheit- und Jugend-
erinnerungen Paul Herrmanns. Der Anblick, sogar
-— mit der Distanzierung, die durch seine Jugend

bedingt war — der Umgang mit den Größten
wurde ihm durch die Gunst dieser äußeren Um-
stände zuteil. Er sah und sprach Liszt und Wag-
ner, Busch, Lenbach und Hornstein und den
ganzen literarischen Zirkel, der in Heyse sein
Haupt verehrte. Da richteten sich die Sinne und
Wünsche des Knaben von selbst auf eine den
praktischen Betätigungen entgegengesetzte Aus-
wirkung seiner Kräfte: er wollte Künstler wer-
den. Heyse, der nach dem Tod von Herrmanns
Vater die Erziehung des nicht immer sehr ge-
fügigen jungen Menschen in die Hand genom-
men hatte, dachte daran, diese Ambitionen eini-
germaßen nutzenverheißend zu kanalisieren. Er
bestimmte, daß Paul Herrmann Architekt wer-
den sollte. Aber statt sich am Polytechnikum
immatrikulieren zu lassen und bei Thiersch zu
arbeiten, trug der junge Kunstentflammte seine
Kollegiengelder in eine kleine Malschule. Das
ging einige Zeit, dann kam die Sache auf, es

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