Kissling, Hermann
Das Münster in Schwäbisch Gmünd: Studien zur Baugeschichte, Plastik u. Ausstattung — Schwäbisch Gmünd, 1975

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Zur Geschichte

von Schwäbisch Gmünd und seiner
Pfarrkirche

t. Die karolingische Zelle — die Staufer — die Stadtgründung

Die erste urkundliche Erwähnung Gmünds findet sich in einem Testament des
Abtes Fulrad von St. Denis, das zwar das Datum des 16. September 782 trägt, in
Wahrheit aber erst in der Mitte des 9. Jahrhunderts gefertigt wurde15. In dieser
Urkunde, die urschriftlich in zwei Ausführungen erhalten ist, wird heute eine Nach-
zeichnung einer verlorenen echten Urkunde gesehen. Darin bittet Abt Fulrad König
Karl, die von ihm dem Kloster St. Denis urkundlich vermachten Besitzungen zu
bestätigen. Die Aufzählung der Zellen in ducatu Alamanniae schließt mit Gamun-
dias, mit Gmünd. Da in dem Fulrad-Testament von 77716 Gmünd noch nicht er-
wähnt wird, ist auf Grund anderer Überlegungen die Gründung einer Zelle in
Gmünd zwischen 777 und 784, dem Todesjahr Fulrads, anzunehmen17. Mit dieser
Gründung sollte das Christentum ausgebreitet und die fränkische Herrschaft auch
im Grenzgebiet gegenüber Bayern gestärkt werden.

Der Standort dieser Zelle wird unmittelbar an der alten Rems-Straße, die einer
Römerstraße folgt und die heute im Stadtgebiet die Bocksgasse ist, zu suchen sein.
Hier bot die erhöhte und trockene Lage des Schuttfüchers zwischen Rems und
Waldstätter Bach eine günstige Stelle an: Es ist die Fläche des heutigen Münster-
platzes. Damit würden sich gewisse Analogien zu Esslingen ergeben, dessen
St.-Vitalis-Zelle schon in dem Fulrad-Testament von 777 genannt ist18 und die als
Vorgängerbau der Stadtkirche St. Dionysius festgestellt werden konnte19. Ob
auch in Gmünd der Boden der Pfarrkirche die erwähnte Zelle deckt, ist bei der
Kontinuität kirchlicher Bauten nicht auszuschließen. Die Grabungen im Münster
haben hierfür jedoch keinen Nachweis erbracht.

Dieser Gmünder Zelle, die mit einer kleinen Siedlung verbunden zu denken
ist, darf sehr wahrscheinlich keine stadtbildende Funktion zugesprochen werden.
„Anders als bei Esslingen fehlen auf Gmünder Boden jegliche Spuren einer unun-
terbrochenen Entwicklung eines unter Königschutz stehenden Marktes seit den
Tagen der Karolinger."20

Die Staufer, die Städtegründer, greifen in die Entwicklung dieser Siedlung ein
und fördern sie auf ihre Weise. Es ist anzunehmen, daß die Gmünder Flußaue, in

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