Kissling, Hermann
Das Münster in Schwäbisch Gmünd: Studien zur Baugeschichte, Plastik u. Ausstattung — Schwäbisch Gmünd, 1975

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Die Gotische Pfarrkirche

1. Das Langhaus

Eine kurze Beschreibung der Baugestalt163 betonte einerseits den Eindruck der
Geschlossenheit, andererseits auch die Zäsuren und Abschnitte, die eine Bauana-
lyse bloßlegt. Am Langhaus zeichnen sich danach drei Bauabschnitte ab: Der West-
abschnitt, dem das Westjoch (das 7. Joch) weitgehend zugehört, dann das Lang-
haus vom nachfolgenden 6. bis zum 2. Joch und schließlich das 1. Joch, das sich
mit seiner abweichenden Tiefe, seinen spätgotischen Dekorationsformen und An-
bauten absetzt. Dieses Langhaus-Ostjoch, erst nach dem Einsturz der Türme an
deren Stelle aufgeführt, wird in dem Kapitel „Die Pfarrkirche im ausgehenden
Mittelalter" erwähnt werden. Hier soll zunächst über die Abschnitte des hoch-
gotischen Langhauses und dann über seine Architekturplastik gehandelt werden.

Der Westabschnitt

Eine Analyse der Architektur von Heiligkreuz wird günstig dort beginnen, wo
die stilistisch ältesten Formen auftreten und damit den Baubeginn bezeichnen: an
der Westwand. Das umlaufende Dachgesims mit Balustrade trennt hier den aus
kompakten Wandflächen aufgebauten unteren Teil von dem dreiseitigen Giebel-
dreieck. Fünf Maßwerk-Fenster füllen seine von 40 Maßwerkkämmen seitlich
begleitete Fläche164. Ihre Höhe entspricht der Höhe des Unterbaus. Die Stellung
der Strebepfeiler zeichnet die Dreischiffigkeit, auch die doppelte Breite des Mit-
telschiffes gegenüber den Seitenschiffen nach. Die Eckpfeiler treten diagonal vor.
Das Mittelschiff begrenzen Sporenpfeiler, die sich im Giebelfeld fortsetzen.

Wird in die Betrachtung der Westfassade noch das ganze Westjoch mit einge-
schlossen, fällt folgendes auf: Die Langfenster des Westjoches sind gegenüber
den östlich folgenden schmäler und mit anderem Gewände und auch anderen
Pfosten ausgestattet. Ferner: Die Strebepfeiler an der Grenze zum letzten Joch
haben geringere Dimensionen165 und Sockelform und Neigung des Kaffgesimses
stimmen mit den gleichen Beständen des östlichen Langhauses nicht überein. Auch
im Innenraum zeigen sich Unterschiede zwischen dem Westjoch und den nachfol-
genden Jochen: Im Westjoch fangen nicht Dienste, sondern Konsolen die Gewölbe-

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