Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

Page: 253
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1. Der Feldzug vom Jahre 171.

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ohne Zweifel durch einen Flottenangriff in wirksamer Weise unter-
stützt werden können.

Ja, man kann noch einen Schritt weiter gehen. Die Flotte
konnte durch eine geschickte Tätigkeit die ganze Kriegführung des
Perseus gerade in Thessalien unmöglich machen. Wenn man statt
bei Haliartos etwa bei Pydna landete und, ohne dafs man die Stadt
auch nur zu belagern brauchte, südlich von ihr in der Ebene von
Katerini eine Stellung nahm, so beherrschte man dadurch alle Über-
gänge über das Gebirge, den Pafs von Pythion, den von Nezero und
den Tempepafs. Es hätte hier keine Proviantkolonne aus dem Innern
Makedoniens nach Thessalien durchkommen können, nur der Portaes-
pafs bei Servia wäre freigeblieben, aber der Weg über ihn führte
auf dem jenseitigen Gebirgsabhange gefährlich nahe an den römi-
schen Stellungen in Thessalien vorbei (s. S. 237). So von seinen
Verbindungen abgeschnitten, hätte sich Perseus jenseits des Gebirges
überhaupt kaum halten können. Denn das Land selber konnte wohl
allenfalls für seine Furage, aber kaum für seinen Proviant ausreichen.
Indessen liegt die Erklärung für das Verhalten des römischen Prätors
gleichfalls nicht auf militärischem Gebiet. In Makedonien war
keine grofse Beute zu holen, und in Griechenland war sie mühe-
los einzuheimsen. Dafs dies das Motiv gewesen, erkannte man selbst
in Rom, und hat den Flottenkommandanten nachträglich dafür ge-
richtlich verurteilt (Liv. 43, 8, 9).

Liegt hier nur der Fehler eines einzelnen vor, so trifft dagegen
weit gröfseres Verschulden die Zentralleitung des ganzen Krieges in
Rom. Man hat dem Konsul dieses und auch dem des folgenden Jahres
Vorwürfe wegen ihrer energielosen Kriegführung in Thessalien nicht
erspart (Mommsen, R. G. IG 763 f.). Mit Unrecht. Bei den Mitteln,
die ihnen zu Gebote gestellt waren, einem einfachen konsularischen
Heere aus Rekruten, konnten sie gegen die numerisch und qualitativ
überlegene Streitmacht des Perseus nicht anders handeln, als sie es
getan haben. Der Fehler lag am Senate. Nicht nur hätte man in
Thessalien die Truppen etwas verstärken können, man hätte vor
allem eine zweite Armee in Ulyrien aufstellen müssen. Erst im
vierten Jahre des Krieges, nachdem Perseus hier bedeutende Fort-
schritte gemacht, den König Gentios gewonnen, Epiros und Thes-
salien im Rücken der Römer teilweise revoltiert hatte, hat man sich
zu dem entschlossen, was von Anfang an nötig gewesen wäre, alle
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