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Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 61.1910-1911

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Wolff-Friedenau, Th.: Technische und Fabrikationsgeheimnisse im Kunstgewerbe
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https://doi.org/10.11588/diglit.7091#0169

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Technische und Fabrikationsgeheimnisse im Aunstgewerbe.

(pariser bserbstsalon.) Glasschränkchen aus Panl kvenz'
Empfangszimmer (Abb. Z^s);
ausgeführt von Gtto Fritzsche, München.

Technische und LaKrißaLioner
geßeimnisse im lXunstgewerKe.

(Von Th. Mokff-Lrioöenau.

dem Gesetz zur Bekämpfung des
unlauteren Wettbewerbs, das am
Mktober \909 in Kraft ge-
treten ist, sind zunt ersten Male
gesetzliche Schutzbestimmungen
gegen die unbefugte Benutzung
oder Entwendung technischer und Fabrikationsgeheim-
nisse erlassen worden. Konkurrenzmanöver dieser Art
spielen auch in den zahlreichen und verschiedenartigen
Zweigen des Kunstgewerbes eine große Rolle, sind

hier sogar zahlreicher als in der anderen Industrie
der Gegenstand lebhafter Klagen der Gewerbetreiben-
den. Angesichts der Wichtigkeit dieser Bestimmungen
für ausnahmslos alle Zweige des Kunstgewerbes
dürfte es daher angebracht sein, diese Bestimmungen
hier einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

Technische und Betriebsgeheimnisse, besondere
perstellungs- und Fabrikationsmethoden usw. sind
in wohl allen Zweigen des Kunstgewerbes von
größter Bedeutung. Bor allen: gehören hierher die
technischen und künstlerischen Zeichnungen,
neue Borlagen, Modelle, neue Entwürfe
usw., wie sie in den kunstgewerblichen Werkstätten
ja fast täglich angefertigt werden und die als Unter-
lage bei der Herstellung eines neuen Artikels von
besonderer Eigenart, als Muster für neue Konstruk-
tionen usw. dienen. Auf einer neuen Zeichnung von
besonders gefälligen: und ansprechendem Stil, auf
einem neuen Modell von besonders praktischer und
eigenartiger Konstruktion, auf einem neuen Muster
von besonderen: Geschmack, beruht gerade in der
kunstgewerblichen Industrie der Wert, die Eigenart
und ebenso auch die geschäftliche Absatzfähigkeit der
Erzeugnisse zum sehr großen Teil, ein Umstand, der
solchen technischen Geheimnissen für die betreffende
Werkstatt oftmals einen ganz enormen Wert ver-
leiht. Ferner gehören hierher auch die technischen
Berechnungen, Kalkulationen usw., die die
rechnerische Grundlage für neue und besondere Kon-
struktionen, für neue Fabrikations- und Betriebs-
methoden, neue Entwürfe und Projekte darstellen
und ebenfalls immer eine mehr oder weniger große
Summe geistiger Arbeit enthalten, ebenfalls oftmals
von größten: Werte für die gesamte Fabrikation der
betreffenden Werkstätte werden können.

Aber auch in der Herstellung, Zusannnensetzung,
chemischen und physikalischen Beschaffenheit und eben-
so auch der Bearbeitung der Materialien spielen
in wohl allen kunstgewerblichen Industrien technische
und Fabrikationsgeheimnisse die größte Rolle. Es
sei beispielsweise nur daran erinnert, welche zahl-
losen Besonderheiten in den kunstgewerblichen Me-
tallindustrien bei der Herstellung besonderer Berbin-
dungen oder Regierungen der Metalle möglich sind
und zur Anwendung konunen, ebenso auch bei der
Ätzung und Färbung der Metalle, bei der Schutz-
behandlung derselben gegen äußere Einwirkungen,
bei den komplizierten Prozessen der galvanischen Me-
talltechnik usw., daß es bestimmte Regierungen gibt,
deren Herstellung und Zusammensetzung das Ge-
heimnis vielleicht nur eines einzigen oder nur eines
kleinen Kreises von Industriellen sind usw.; es sei
darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung im
 
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