Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Aus den sächsischm Archivm.

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3. Entwurf eines Teppichs sür Krcuzstichstickerei
oder Knüpsarbeit, im Stil orientalischer Ar-
beiten des 16. Jahrhunderts.
4. Motive für die Bemalung einer Porzellan-
vase, aus feinen stilisirten Blütenranlen
bestehend.

Jeder Vorlage ist ein Wink für die Art
und Weise der Ausführung beigegeben, die far-
bigen Muster sind dem Gegenstand cntsprechcnd
stilgcrecht gezeichnet.
Das Werk wird namcntlich dcn Damen
willkommen sein, welche den Centren der knnst-
gewerblichen Bewegnng ferner stehen. —

Aus den sächsischen Archiven.
von Lornelius Gnrlitt.
I.
Wenzel Iamnitzer und der kursächsische hof.

Paul Buchner, der Erbauer des Stall-
hofes und dcs Lusthauses zu Dresdcn, damals
noch bcscheidener Hosschrciner und Schrnuben-
macher, besand sich im Hcrbst 1565 zu Nürn-
berg, sciner Vaterstadt, um sür seinen Hcrrn,
Kurfürst August von Sachsen, Einkäufe zu
machen, sich nach „etzlichen Kunststücken zum
vorsteheuden ncucn Jahr" umzusehen. Er be-
richtete an seiueu Hcrrn übcr das Vorhandene,
woranf dieser am 23. Novcmbcr 1565 aus
Torgau antwortet:
„Gamnitzer, der Goldschmied zu Nllrnberg,
hat etzlich künstlich Jnstrumcntlein für die Key.
Mst. vorfertigt, welche er vnnß auff Dein Nnter-
handlung vmb 150 fg. zukommen laßen vnnd
Jrcr Maitt. noch fllr kllnftigen Neichstage an-
dere machen wolle." Es sind dies, wie ferner
aus dem Briefe hervorgeht, „drej maßsteblein
vnd eiu Zirkell, was aber für ein büchlein vnd
anders dabei, haben wir aus deinem schreiben
nicht aigentlich vorstehen konnen".
August ist geneigt die Gegenstände zn kanfcn,
will sich aber nicht auf eine so hohc Summe
verpflichten, ehe er die Arbeit gesehen habe, und
befichlt daher, sie ihm „zum fürderlichsten" zu
schicken i).
Nach dem Zirkel und den Maßstäbcn habe
ich vergeblich ini kgl. historischen Museum so-
wohl als im physikalischen Kabinet Nachfor-
schungcn gehalten. Auch betreffs des Büchleins
bin ich Auskunft zn geben außer stande. Denn
die „I'orspsokiva oorporum roAularium" er-

schien bekanntlich erst 1568, und ihr gilt das
zweite Schreiben deS Kurfürsten, welches mir
aufzufinden gelang.
„An Wentzcl Gamnitzer, Bürgern zu
Nürnberg.
Lieber besondcr. wir haben dein schreiben
sambt einem abdruck der ?sr8psotiua Oorporuiu
RsAuluriuiri, So du der Rvmischen kcyserlichen
Mstt vnserm allergnedigstenn Hern dcdieirt hast,
zw besonndcrnis guttenn gefallen entpfangen
vnnd thuen vnnß solcher deiner vnderthenigen
mainung vnnd ertzeigung gcgen vnß gnedigst
bedanckenn. Schickenn Dir auch hierbei zw an-
tzeigung vnscrs wohlgefallcns vnd dangkbaren
gemuttes dreissigk guldcn groschen, die wollcst
Du unuorschmehet entpfahenn; Vnnd begerenn
gnedigst, Wann Du das andere verheißen tcil
dieses werckes anßgehenn lassest, du wollest vnß
vonn denselbenn gleicher gestalt mitt einem ab-
druck vnnd Exemplar guttwilligk vorsehen. Das
wollen wir Jnn gnaden gegenn dir bedcnckenn.
Dresden 5. Juni 1568."')
Das betreffendeExemplar der „Perspectiva"
befindet sich noch heute in der königlichenBiblio-
thek. Es ist schlicht in schwarzen Sammct ge-
bunden und zeichnet sich vor anderen durch die
vortrefflichen Abzüge und durch eine überaus
zierliche Kolorirung der Prospcktseiten aus.
Erst nach ciner Reihe von Jahren trcfscn
wir wieder Nachrichten über Jamnitzer. Wieder
hat Kurfürst Augnst einen sciner Leute nach
NUrnberg gcscndet, nm Einkäuse zu machen, den

1) Cop. 321 S. 142.

1) Cop. 345 S. 117.
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