Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Studien zur Geschichte der Früh-Renaissance in Holland und Belgien.

Nische, ciuf volutenförmig eudigendcn Eckaus-
siillungcn fitzen die Evangelisten Lukas und Mar-
kus, den etwas ticfer anfgestelltcn Kirchenvätern
gleichsam ihre Evangelien mitteilend; iiber ihnen,
auf dem Gesinise des mittlcrcn Turmgeschosses
die Evangelisten Matthäus und Johannes. Treff-
lich gearbeitete Kandelabersäulchen flankiren dic
Nischen dieses Turmgeschosses; über der mittlcren
rcich ornamentirtcn Nische zwei schwcbcnde Engel
mit dem Abendniahlskelche und dcr Hostie, zur
Symbolisirung der vornehmsten sakramentalen
Handlung, tvelche am Altare vorgeht. Auf dem
Gesims dieser Etage trefflich gearbeitete, hochst
anmutige, musizirende Engclsiguren. Der obcrste,
ähnlich aber kleiner gebildete Ausbau durch eincn
Pelikan abgeschlosscn. — Die beiden obercn Eta-
gen des Altars sind leider zur Zeit herabge-
nonimen worden und befinden sich die zugehvrigen
Stücke teils in einem Verschlage neben dem Chore,
teils auf dem Dachboden der benachbarten
Pfarrei.
Von der Behandlungsart dcr Friese und

Pilasterdekorationen nivgen die beistehenden Fi-
guren 7 u. 8 eine Vorstellung gebcn.
Der Charakter des hier verwendeten Orna-
nients, sowie auch dic Profilbildung der Gesinise,
welche an diesem Kunstwerk auftreten, stiinmen
so wesentlich mit denjenigen des Mvnumentes
in der Kapuzincrkirche zu Enghien übcrcin, daß
wir denselben Autor für beide Wcrkc voraus-
setzen möchten.
Es mag hier eiugeschaltet werden, daß auch
die Kirche des bcnachbarten Braine - le - Comte
einen ebenfalls turmartig gegliederten Altaranf-
bau besitzt, vom Jcihre 1577, in welchem der
Vvn Cornelis Floris angebahnte Stil in ctwas
ullchterner Wcise zur Erscheinung gelangt.
Am Grabnionunient der Familic de Gros
in der Jakvbskirche zu Brügge circa 1522, aus
Stein von Boulogne in reicher Polychromirung
ansgeführt, sind die Renaissanceformen nicht frci
von gotischen Beimischungen; die Glicderungen
des Ausbaues haben hier llberhaupt etwas
Hartes an sich.

(Schluß folgt.)


Thürklopfcr, iin kgl. Kunstgcwerbcmilsciim zu Bcrliii.
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