Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

Page: 188
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Aus den sächsisck^en ^lrchiven.
von Lornelius Gurlitt.

Zur Geschichte der
Der Geschichte der sächsischen Keramik
im 16. Jahrhundert fehlt es an aktenmäßigen
Unterlagen fast ganz, vbgleich sie unzweifelhaft
eine sehr hohe Stellung einnahm. Nachstehend
will ich einige der wicktigeren, den sächsischen
Archiven entnommene, Notizen zusammenstellen,
die vielleicht einige Anregung zu geben vermögen.
Der bedentendste Tvpfer am sächsischen Hof
war zweifellos Andreas Dornhofer (oder
Tvrnhofer), welcher am 25. Jan. 1557 als
Hvftöpfer bestallt wnrde, nachdem er bisher in
Torgau thätig gewesen war. Vor ihm hatte
Meister Michel das Amt inne, welcher 1547
einen Ofen aus 4 Schock Kacheln, klein und
groß, in die Harnischstube in der Dresdener
Försterei setzte und für das Schock Kacheln
30 Pf. erhielt (8uinm. Lms?. 1546 — 1554,
Uoo. 4455). Daß Dresden schon im 15. Jahr-
hundert durch keramische Erzeugnisse wenigstens
als Handelsartikel sich hervorthat, beweist der
Umstand, daß 1475 „geglaste Kacheln" fiir den
Bau des Schlosses Rvchsburg an der Mulde
„zu Dreßden gekauft" wnrden (der Schloßbau
zn Nochsburg 1470—1530, Uoe. 10361). Dorn-
hofcrs Aufgabe war sowohl Flickwerk, wie neue
Öfen zu machen. Die „Materia" zu seinen
Arbeiten wurde ihm neben seinem Gehalt von
30 fl. und einem lundischen (Londoner) Som-
merkleid sowie Kost bei Hofe, solange er zu
Hvf arbeitet, besonders bezahlt. (Bestall. 1517
bis 1569, Uoo. 32961, bol. 104.) 1561 hat er
ein „new kunstreich wergk zn Öfen vnd Schor-
steinen vonn topferwerg manicherlei arth erfun-
den", das bei geringem Holzkonsum viel Hitze
giebt. Er erhält hierauf ein — wir wiirden

II.

sagen — Patent, derart, daß jeder Meister,
der Öfen oder Kamine seiner Erfindung macht,
ihm erstmalig 1 fl. zu zahlcn verpflichtet war
(6op. 222, t'ol. 279). Er lieferte ferner 1563
40 Kacheln zu Öfen in der Silberkammer
des Dresdener (Tageregister 1563—4, Uoo.
8679) und 1569 eiuen Ofen „gar reinig-
lichen im Schreibstublein der Kurfürstin zu
setzen" in das Dippoldiswaldaer Schlvß
(Oox 356°, tol. 426). Jm Jahre 1571
wurde er bei einer allgemeinen Reduktion dcs
Hofstaates entlassen (Berz. dcs Hofstaates 1554
bis 1589, I-oo. 8679). Bald finden wir ihn
jedoch bei neuen Erfindungen. Er verpflichtet sich
1575, als der Kurfürst Augnst in heftiger Be-
drängnis sich befand, da die Keller seines in
der Torgauer Niederung erbauten Schlosses
Annaburg nicht wasserdicht hergestellt werden
kvnnten, einen Stollen aus Töpserwerk untcr
Wasser zu errichten und selbst zu bezahlen,
wenn ihm die völlige Dichtung desselben nicht
gelänge. Der Kurfürst weist seinen Zeugmeister
Paul Buchner an, den Brand in der Ziegel-
schcune herstellen und 100 fl. dafür verwenden
zu lassen (Oox. 407, lol. 164 nnd 167). Leidcr
erfahren wir nichts über das Resultat. Noch
1578 sinde ich Dornhofer erwähnt, er beklagt
sich, seit drei Jahren aus Ziegelmangel eincu
Bau — etwa jenen Stollen? — nicht vollen-
den zu können (Oop. 440, kol. 119).
Sonst kommt als Dresdener Tvpfer noch
in den Archivakten vor: 1572 Wolf Küchler,
1578 Georg Schnricht und 1584 Melchior
Hase, welch letzterer einen „eisenfarbigen" Ofen
ins Schloß liefert und 1587 in Dresden sich an-
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