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Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 17.1914

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Schober, Arnold: Römischer Friedhof in Au am Leithaberg
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https://doi.org/10.11588/diglit.33679#0315
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Römischer Friedhof in Au am Leithaberg.

Seitdem W. Kubitschek (Österr. Jahreshefte,
1900, Beibl. 1 ff.; Jahrb. f. Altertumsk. 1911, 231 ff.)
seine besondere Aufmerksamkeit auf das Leitha-
gebirge und die im Norden vorgelagerte Ebene ge-
richtet hat, ist auch dieses bisher so vernachlässigte
Gebiet der Altertumsforschung näher gerückt worden.
Durch Zusammenfassung der in den letzten Jahren
sich häufenden Zufallsfunde und der gelegentlichen
privaten Unternehmungen — systematische Grabungen
fanden bisher in diesem Gebiete nicht statt — kann
es schon jetzt als sicher gelten, daß diese Gegend
in römischer Zeit eine intensive Besiedlung mit einer
wies. Dieser Umstand setzt ein reich ausgebildetes
Straßennetz voraus, das naturgemäß von den Haupt-
städten Scarabantia, Carnuntum und Vindobona seinen
Ausgangspunkt nahm. Die Itinerarien überliefern uns
auch drei Hauptstraßen, durch die diese Städte
untereinander verbunden waren. Die östlichste, die
von Scarabantia über Ulmus nach Carnuntum führt,
ist in ihrer Trasse im großen und ganzen sicher-
gestellt. Sie verläuft längs des Neusiedlersees, das
Leithagebirge an seinem Ostrande berührend und
die Leitha in der Gegend von Bruck überschreitend,
geradewegs nach Carnuntum. Dabei muß die Zwischen-
station Ulmus dort, wo die Leitha und das nach ihr
genannte Gebirge sich am nächsten kommen, also in
der Gegend von Bruck, als Sicherung des Flußüber-
ganges angesetzt werden i). Dazu stimmen auch die
Entfernungsangaben der Peutingerschen Tafel.
Die westlichste Straße, die von Scarabantia über
sächlich mit Baden gleichzusetzen ist.
Die dritte endlich, die von Scarabantia über
Mutenum nach Vindobona, wird wohl ungefähr in
verworrene und unbrauchbare Angaben über die ein-
zelnen Entfernungen anführt. Doch ist es wenigstens
W. Kubitscheks Identifikation von Ulmus
mit einer größeren römischen Ansiedlung bei Bruck-

nach der einen Angabe p. 266 und wegen der natür-
lichen Beschaffenheit des Ortes durchaus gerechtfertigt,
wenn man Mutenum am Westrande des Leithagebirges
ansetzt 2). Nun hat sich in der letzten Zeit durch
zahlreiche Funde längs des rechten Leithaufers von
Bruck-Neudörfl über Somerein, Mannersdorf, Hof,
Au und Loretto bis Ungärisch-Brodersdorf eine ge-
schlossene Reihe von größeren Ortschaften festlegen
lassen, die eine am Nordabhang des Leithagebirges
hinlaufende Straße voraussetzen. Wenn man nun
daran festhält, daß Ulmus am Ostrande, Mutenum
am Westrande dieses Gebirges zu suchen sind, so
liegt die Vermutung nahe, daß diese Straße keine
andere Aufgabe hatte, als die beiden Städte und
damit die Zwischenstationen der beiden vorher-
genannten Hauptstraßen miteinander zu verbinden.
Unter den römischen Siedlungsstätten, die an
dieser Verbindungsstraße lagen, war diejenige bei
Au am Leithaberge bisher eine der ergiebigsten.
Schon die Gräberfunde des Lehrers Podwyszinski
und die vom Mödlinger Musealverein aufgedeckten
Gebäudereste, die von W. Kubitschek (a. a. O. 231 ff.)
nach sehr unsicheren und lückenhaften Angaben ver-
ziemlich ausgedehnte Ansiedlung erwiesen. In den
letzten zwei Jahren haben nun im Raume des von
Podwyszinski am nordöstlichen Rande von Au
konstatierten Gräberfeldes, angeregt durch Zufalls-
funde, Grabungen stattgefunden, die zur teilweisen
Aufdeckung dieses Gräberfeldes führten. Dort, wo
die Straße von Hof das Dorf betritt (a. a. O. 232,
Fig. I, Plan), wurden nämlich im Spätherbste 1912
auf dem Baugrunde des F. X. Robitza, Kat.-
Parz. 2141/56, bei der Anlage einer Kalkgrube und
bei der Fundamentierung der Hausmauer zwei
römische Gräber (auf nebenstehendem Plan: 4l, 1
und I %) freigelegt. Der rasch verständigte Vertreter
der Zentralkommission für Denkmalpflege konnte
zwar sämtliche Fundobjekte bergen, ohne aber die
Beigaben auf die zwei Fundstellen sicher aufteilen
zu können. Diese Funde veranlaßten das niederöster-

Limes, VI 5 ff.).
2) W. Kubitschek (a. a. O. 245) vermutet Mutenum
in der Gegend von Ungärisch-Brodersdorf, da dort
neben zahlreichen römischen Funden auch der Stein
eines Adilen zutage kam.
 
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