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Aphrodite Daitis.

Im Etymolog'icum magnunH) ist uns in der Form einer ätiologischen Er-
zählung die Schilderung eines sonst unbekannten ephesischen Artemisfestes erhalten.
Mädchen und Epheben beg'eben sich mit einem Bilde der Göttin auf eine Wiese
nahe der Küste des Meeres. Nachdem sie sich an Spiel und Scherz erfreut haben,
richten sie dem Bilde der Artemis aus Eppich (σέλινον) und anderen Kräutern ein
Lager her und setzen ihm Salz als Speise vor. Daß, während die Göttin ihr Mahl
einnimmt, auch die frohe Schar der Festgenossen ihren Schmaus hält, ist zwar
nicht überliefert, aber selbstverständlich. Nach dieser Feier hieß, wie uns das
Etymologicum magnum lehrt, sowohl der Platz, wo sie stattfand, als auch die
Göttin selbst Δοητίς.
Von demselben Feste ist, wie R. Heberdey scharfsinnig erkannte^), noch
eine zweite Spur in unserer Überlieferung* vorhanden. Eine sehr merkwürdige
ephesische Inschrift, welche die Gebühren für die Ausfertigungen des städtischen
(Dnypaccabv öffentlich kundmacht, lautet Z. 19 — 23: χλοφόρου οην(άρίον) ot', ] σελεινοφόροη
οην(χρί-ον) V, [ μολποΰ οψ^ρίΟ'/) V, ) σπείροφόρου 5ψ(κρί&ν κ', [ χοσμοφορου οην(^ρίον) V.
Da von den angeführten kultischen Funktionen die zuerst g*enannten — Halophorie
und Selinophorie — jedenfalls zur Daitisfeier gehören, wird man auch die übrig*en
mit Heberdey gern auf dasselbe Fest beziehen. Dagegen vermag ich ihm darin
nicht zu folgen, daß er dieses Fest als Plynterienfeier deutet, bei welcher das
Kultbild des Artemisions zum Meere gebracht und dort gebadet wurde. Die Stelle
des Etymolog'icum magnum erwähnt nichts von einem solchen Bade und schließt
durch ihre unbestimmte Fassung* εχουσκ xod (ζγκλμκ Άρτέμίδος einen Bezug auf das
hochheilig'e Tempelbild g*eradezu aus. Auch die Speirophorie und Kosmophorie
können, wenn sie, wie oben als wahrscheinlich ang'enommen wird, zu demselben
Feste gehörten, nicht als Beweis für eine Plynterienfeier ang*efüln*t werden, da
eine Bekleidung* und Schmückung des Bildes auch für das Göttermahl stattfinden
konnte. Schließlich scheint es mir unwahrscheinlich, daß die Göttin den Beinamen
Δκίτίς von einem Feste erhalten hätte, bei welchem das Bad ihres Bildes die
Hauptsache, seine Speisung* aber eine Nebensache g'ewesen wäre.
Götterspeisungen und Götterbewirtungen (Θεοοκίσίκ — Θεοςέ'/ηχ) sind ein vielfach
bezeugter Festbrauch antiker Religionend), nach welchem sogar ein verbreiteter
Ö Et. magn. p. 2$2, 11 ib; vgl. R. Heberdey, O. Gruppe, Bursians Jahresber. Suppl. 1907 S. 416 !.
Jahreshefte VH 1904 S. 210. 3) Q Gruppe, Griech. Mytbol. yßO Anm. ϊ;
3) A. a. 0. S. 211; vgl. ebendort Beibl. 44; E. Cahen bei Daremberg-Saglio IV 203; 2ΐΙ t.

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