Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 1.1906

Page: 598
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zaak1906/0602
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
598 HUGO SPITZER.

kompensieren und paralysieren, so daß, was nach dieser Richtung
großes Lob verdient, eben darum nach jener die höchsten Forderungen
nicht befriedigt. Und zu beiden Kategorien von ästhetischen Wert-
maßstäben, den endogenen und exogenen, kommt nun endlich noch
das Kriterium der ästhetischen Reinheit. Auch dieses, ja dieses ganz
besonders dürfte endogen heißen, auch die Wertbestimmung, die ihm
gemäß stattfindet, ist eine eminent autonome; aber dennoch sieht man
auf den ersten Blick, daß die Autonomie anderer Art ist als bei den
Schätzungen an der Hand der früher bezeichneten Prinzipien. Man
kann in beiden Fällen sagen: die ästhetische Lust gibt den Maßstab
ab; allein das eine Mal liegt der Ton auf dem Substantiv, das andere
Mal auf dem Adjektiv; das eine Mal setzt sich die Skala aus den Ab-
stufungen der Lust, das andere Mal aus den Graden der Verwirklichung
des spezifisch ästhetischen Charakters zusammen. Die nähere Ausfüh-
rung dieser Verhältnisse obliegt indes einer Theorie der künstlerischen
Normen und ist daher nicht mehr Sache dieser Abhandlung, deren
letzte Frage wohl schon mit dem Beigebrachten eine nicht nur das
Tatsächliche feststellende, sondern auch die Tatsachen so weit wie
möglich erklärende und aus ihren inneren Gründen faßlich machende
Antwort gefunden haben dürfte.
loading ...