Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 11.1916

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188 MARGARETE CALINICH.

Material vollzieht, beruht nicht anders auf der subjektiven Verschie-
denheit der urteilenden Persönlichkeiten wie z. B. die Differenz der
Urteile über eine Farbe. — Wir bestimmen Rot als diejenige Farbe,
der Wellen von einer bestimmten Länge und Geschwindigkeit zugrunde
liegen, oder wir bestimmen es als diejenige Farbe, die im Farbenkreise
eine bestimmt angebbare Stelle einnimmt. Für eine bestimmte mittlere
Breite des Farbenbandes Rot wird, wenn wir von in Bezug auf Farben-
empfindungen Anormalen absehen, Einstimmigkeit des Urteils darüber
herrschen, daß der so bestimmten Farbe die Farbenempfindung Rot
entspricht. In jenen Zonen aber, wo Übergänge zu anderen Farben
liegen, werden wir oft Einstimmigkeit des Urteils vermissen.

Wenn wir dieses Beispiel auf die ästhetische Beurteilung jener
Unterschiede, die wir besprochen haben, anwenden, so wird sich
auch da eine Zone finden, in deren Breite die Urteile mit Einstimmig-
keit gefällt werden, während das subjektive Schwanken der Beurtei-
lungen erst vor jenen Werken anfängt, wo wir nicht mehr die höchste
künstlerische Kraft in Betätigung sehen.
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