Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 23.1929

Seite: 43
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III.

Das Symbolische im Werke Henrik Ibsens.

Von

Kate Friedemann.

Der dritte Kongreß für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft
in Halle im Juni 1927 brachte unter einer Fülle neuer Anregungen auf
dem Gebiete der Ästhetik auch das alte und ewig neue Problem des Sym-
bolischen wiederum zur Diskussion. Daß das Wort „Symbol" im Laufe
der Zeit einem starken Bedeutungswandel unterstand, diese Tatsache lag
besonders den Ausführungen Ernst Cassirers zugrunde. So wies er
darauf hin, wie der Begriff des Symbolischen, der ursprünglich in der
religiösen Sphäre wurzelte, dort einen realen, nicht bildlichen Sinn hatte,
und das Geheimnisvolle und Gottgewirkte, das Mysterium im Gegensatz
zum Profan-Natürlichen bedeutete. Cassirer selbst wollte dann, von
diesem Rechte des Bedeutungswandels Gebrauch machend, das Wort
„Symbol" für jedes sinnliche Zeichen zur Veranschaulichung logischer
Gebilde — auch da, wo es ein bewußtes und konventionelles ist — an-
gewandt wissen, was auf dem Kongresse selbst mehrfach als zu weit ge-
faßt Widerspruch erfuhr. — Auch mir scheint es, als handle es sich hier
nicht um eine Rechtsfrage, sondern darum, daß uns nicht durch diese
ganz beliebige Verwendung des Begriffes die bestimmte Vorstellung oder
das bestimmte Gefühl verloren gehe, das wir nun einmal gewohnt sind,
mit ihm zu verbinden. Das Symbol kann die verschiedensten Sphären
des Seins sinnbildlichen, und es kann dies auf die allerverschiedenste
Weise. Wesentlich ist aber immer, daß diese Verbildlichung eine un-
willkürliche, rein gefühlsmäßig gewirkte bleibt, sonst müßten wir zum
mindesten den Symbolbegriff durch den der Allegorie ersetzen, oder so
weit gehen, auch in den Buchstaben der Schrift Sym-
bole zu erblicken.

Aber diese eine Beschränkung zugegeben — welch Reichtum von
Möglichkeiten, um dem unserer geist-leiblichen und unserer individuellen
Natur entsprechenden Bedürfnis nach Versinnlichung des Geistigen und
nach repräsentativer Vereinzelung des Ganzen genüge zu tun!

Stark metaphysisch eingestellte Zeiten drängte es dazu, dem großen
Geheimnis hinter der Welt sichtbare Gestalt zu verleihen, um es uns —
wenn auch nicht zu lösen (denn damit hörte es ja auf, Geheimnis zu sein),
doch fühlbar nahe zu bringen. So begegneten sich Goethe und die Roman-
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