Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 24.1930

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BESPRECHUNGEN.

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Gedichte, didaktische Dichtung, Satire, Epigramm, religiöse Dichtung usw. anderes
als trockene lehrbuchmäßige Aufzählung? Doch im allgemeinen muß man bewun-
dern, in welchem Maße es Stammler gelungen ist, die äußerliche Fülle des mit
außerordentlichem Fleiß aus einer Unmasse von Spezialliteratur zusammen-
getragenen Stoffs darstellerisch zu meistern. Zuweilen jedoch will mir Stammlers
Mosaikarbeit als zu weit getrieben erscheinen. Wenn er etwa das Verhältnis jeder
deutschen Universität zum Humanismus bespricht, so wirkt das angesichts des ganz
dasselbe, nur noch eingehender schildernden Buches I, Kap. 4 „Die humanistische
Reform der Universitäten" von Friedrich Paulsens „Geschichte des gelehrten Unter-
richts" zum guten Teil entbehrlich. Und die vom Verfasser offenbar mit besonderer
Neigung häufig eingeflochtenen Nachrichten über Zahl und Art einzelner Drucke
würde man eher im „Goedeke" suchen. Erreicht ist aber jedenfalls, vor allem dank
des flüssigen Stils1), daß man Stammlers Darstellung, eine geschickte Zusammen-
fassung des gegenwärtigen Forschungsstandes, durchweg mit regem Anteil, wenn
auch, wie oben gezeigt, oft genug gemischt mit lebhaftem Widerspruch, folgt.
Greifswald. Kurt Gassen.

Schmid, Hans, Enkaustik und Fresko auf antiker Grund-
lage. Eine Ergänzungsschrift zu „Bergers Beiträgen zur Entwicklungs-
geschichte der Maltechnik". Mit 19 Abbildungen. München, Callwey, 1926. 102 S.

Vorliegende Schrift, die als Anhang zu dem neugedruckten Band „Die Mal-
technik des Altertums" von Berger erscheint (S. 8), bezeichnet der Verfasser im Unter-
titel der Schrift als Ergänzung zu Bergers „Beiträgen zur Entwicklungsgeschichte
der Maltechnik" (S. 7 fehlt die 4. Folge Renaissance und Folgezeit). Die Ergänzung
bedeutet tatsächlich eine Richtigstellung im Sinne des Verfassers an zwei Punkten

Einmal handelt es sich um die seit der Renaissance (S. 9) umstrittene Frage,
worin die Technik der antiken Wandmalerei bestand (S. 13; z. v. 33, 37, 61). Doch
bezieht sich der Verfasser in seinen Ausführungen ausschließlich auf die pompeja-
nischen Wandmalereien (S. 9, 15, 19, 32, 36), in denen er ohne Unterschied der
Stilarten „den prachtvollen Schlußstein einer langen Entwicklungsreihe innerhalb der
Freskotechnik überhaupt" sieht (S. 37. Im Vorwort S. 5 die zeitliche Begrenzung
bestimmter: „Kunst der letzten Zeit der Republik und der frühesten Kaiserzeit" und
die ästhetische Wertung anders: „die Kunst der damaligen Zeit zehrte in rastlosem
Kopieren von den großen Meisterwerken der Künstler früherer Jahrhunderte").

Die andere, nicht weniger umstrittene Frage geht auf die Technik der antiken
Enkaustik (S. 9, 62 ff.).

Bei seinem Versuch für diese Fragen, über die nach Pfuhl, Malerei und Zeich-
nung der Griechen, ein hoffnungsloser Meinungsstreit entstanden ist (zitiert S. 8),
während Berger für sie nur eine hypothetische Lösung für möglich hält (zitiert
S. 88), die Lösung zu finden (S. 99, 94, 76, 61, 11. Im Vorwort S. 5 die Ein-

') Den ich nur zuweilen von gewissen Lässigkeiten befreit wünschte; man ver-
gleiche etwa: „seine Hauptleistungen vollführte er [Reuchlin] als Philologe"
(88), „besaß Frischlin ... Grobheit und Streitlust, die ihn oft in die Tinte rit-
ten" (174), „er [Tobias KoberJ ... hatte sich besonders die Türkengefahr auf das
dramatische Korn genommen" (177), „Alberus hat ihm [Burkard Waldis]
zweifellos dabei das Licht gehalten" (214), „die rohe Form hat er [Hans
von Rüte] von Manuel abgesehen" (330), „die volkstümlichen Dichter des
16. Jahrhunderts ... schöpften aus diesem Quell immer neue Eimer" (28), „sie
[die neue deutsche Lyrik] schöpfte ... mit vollen Eimern aus dem neulateini-
schen Brunnen" (153).
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