Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 26.1932

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BESPRECHUNGEN.

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Wie schon aus der obigen Darstellung hervorgeht, ist das Buch von Froebes
nicht eigentlich ein Lehrbuch, sondern ein Nachschlagewerk. Als solches ist es be-
sonders dem Experimentalpsychologen unentbehrlich. Die umfassenden Literatur-
angaben machen das Buch auch zu einem ausgezeichneten Hilfsmittel für die For-
scher, die auf einem anderen Standpunkt stehen als der Verfasser.

Berlin. Susanne Liebmann.

Hans Rolf Sprengel: Naturanschauung und malerisches
Empfinden bei Wilhelm Heins e. Diesterweg Frankfurt a. M. 1930,
70 S. (Deutsche Forschungen, H. 24.)

Das Ziel dieser Untersuchung ist, zu zeigen, wie bei Heinse sich Naturgefühl
und Kunstbetrachtung gegenseitig bedingen. Im ersten Abschnitt wird seine Natur-
anschauung entwickelt. Es wird nachgewiesen, wie sie sich im Gegensatz zu der
lebensfremden Anakreontik, deren Kreis Heinse anfangs angehörte, aus der unmittel-
baren lebendigen Berührung mit der Natur herausbildete, wie die Begegnung mit
dem jungen Goethe ihm das Erlebnis des bedeutenden Charakters vermittelte und
die Bekanntschaft mit den Gemälden von Rubens ihn in der Malerei die seinem
Natur- und Lebensgefühl entsprechende Ausdrucksform erkennen ließ, und wie er
in Italien die antike Plastik in einem von der Auffassung Winckelmanns ganz ver-
schiedenen Sinn erlebte. An einer Reihe von Naturschilderungen erläutert der Ver-
fasser dann mit lebendiger Einfühlung die charakteristischen Züge in Heinses Natur-
gefühl, die impressionistische Sehart, den Blick für feinste Schattierungen, vor allem
für die Farben der italienischen Landschaft, andererseits die Vermenschlichimg der
Natur, das Gefühl für die dämonische Gewaltsamkeit der Gebirgslandschaft, schließ-
lich die scharfe Beobachtung des individuellen Charakters in der Menschenschilde-
rung. Freilich wirken die Vergleiche mit andern Dichtern von Homer bis Liliencron
dabei nicht immer sehr erhellend, auch sähe man gern Heinses Naturanschauung, die
so in ihre einzelnen Elemente zerlegt wird, noch einmal zusammenfassend charakte-
risiert und die eigentümliche Vereinigung von impressionistischer Wirklichkeitsnähe
und symbolisierender Wirklichkeitsdeutung, wie sie sich vor allem in der groß-
artigen Schilderung des Rheinfalls offenbart, beleuchtet.

Der zweite Abschnitt behandelt dann die Gemäldebeschreibungen aus Italien.
Der Verfasser verzichtet dabei auf eine Darstellung der Kunstanschauung Heinses,
indem er auf eine darüber bereits vorliegende Arbeit verweist, der er nur in bezug
auf Heinses Stellung zur Plastik eine abweichende Auffassung entgegenstellt. Hein-
ses gesamte Kunstbetrachtung, Plastik wie Malerei, ist durch zwei entscheidende
Elemente seiner Naturanschauung bestimmt: die unmittelbare Verbundenheit mit der
Wirklichkeit und den Sinn für das Individuelle, Charakteristische. Sein ganzes Kunst-
empfinden ist malerischer Art, und er betrachtet deshalb die Plastik ebenfalls male-
risch. An den Schilderungen des Laokoon und Apollo wird überzeugend dargelegt,
wie bewegt und geradezu farbig und wie individuell Heinse diese Gestalten emp-
findet, obwohl die Abgrenzung gegen die klassische Ästhetik dabei nicht durchaus
gelungen erscheint. Auch Winckelmann sieht in der Laokoongruppe Bewegung und
seelischen Ausdruck; Heinse brauchte nicht erst, wie der Verfasser meint, in die
„starre Pose" der griechischen Statuen Leben und Bewegung „hineinzusehen". Ein
Unterschied ist allerdings da, aber er hätte schärfer herausgearbeitet werden müssen.

Am hellsten wird dann Heinses Kunstempfinden in seinen Schilderungen der ita-
lienischen Malerei beleuchtet. Er forderte von der Malerei vor allem Naturnähe, und
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