Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 27.1933

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BESPRECHUNGEN.

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man konkret auf, wie die Jungdeutschen jene Welt nicht mehr, diese noch nicht
erfüllen konnten, so tritt der Sinn der Zerrissenheit von selbst hervor.

Heidelberg. _ Otto Mann.

Karl Zahn: Die Ausgrabung des romanischen Domes in
Regensburg. München 1931.

Was die klassische Archäologie von Anfang an als selbstverständlich erachtet
hat, hat lange Zeit hindurch die mittelalterliche Kunstgeschichte vernachlässigt: die
Untersuchungen baugeschichtlicher Probleme durch Grabungen zu fördern. Erst
die neuere Zeit hat hier Wandel geschaffen, wenn auch nicht in dem Maße, wie es
die Wichtigkeit der Sache erfordert.

Die vorliegende Arbeit gibt ein hervorragendes Beispiel dafür, welche Ergeb-
nisse eine sachgemäße und gründliche Grabungstätigkeit auf mittelalterlich-bau-
wissenschaftlichem Gebiete erzielen kann, um so lehrreicher in diesem Falle, als die
kunstgeschichtliche Auswertung der Grabungsfunde die bisherigen auf Vermutun-
gen und Schlüssen aufgebauten Rekonstruktionen in wichtigen Punkten als falsch
erweist.

Es handelt sich in der Veröffentlichung Zahns um Untersuchungen, die sich mit
einigen der wichtigsten Probleme der frühmittelalterlichen Baugeschichte Regens-
burgs beschäftigen: der Lage, Gestaltung und Zeitstellung des romanischen Domes,
Probleme, deren Lösung auch für die allgemeine Geschichte der deutschen Baukunst
von Bedeutung ist.

Die Stadt Regensburg, der Historische Verein von Oberpfalz und Regensburg,
das bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das bayerische Staatsministerium und
das bischöfliche Domkapitel haben zusammen gewirkt, um durch gemeinsame Förde-
rung und Bereitstellung der Mittel, die infolge technischer Schwierigkeiten der Un-
tersuchungen — man mußte bis zu 5, an einzelnen Stellen sogar bis zu 6 und 7
Meter in die Tiefe gehen — in bedeutender Höhe nötig waren, die Ausgrabungen
zu ermöglichen. In dem Vorsteher der Staatlichen Dombauhütte, Karl Zahn, fand
sich ein Leiter der Arbeiten, der in vorbildlicher, exakter und gründlicher Tätigkeit
das Unternehmen mit gutem Erfolge durchführte.

Schon am Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts setzte die historische
Forschung über den alten Regensburger Dom ein, doch konnte sie sich nur auf sehr
spärliches urkundliches Material stützen. Die älteste Urkunde stammt aus dem
Jahre 778 und berichtet von einer Gemeindekirche zu Regensburg, die dem heiligen
Petrus geweiht ist und den Vorrang vor der Klosterkirche S. Emmeram hat. Aber
erst die Urkunde des Jahres 932 bringt eine allerdings nur ganz allgemein gehal-
tene Nachricht über die Lage dieser Kirche in der Nähe des Wassertores, d. h. der
porta praetoria des ehemaligen römischen Lagers, zweifellos aber haben die Bischöfe
von Regensburg schon früher die dem heiligen Petrus geweihte Kirche als Bischofs-
kirche benutzt. Einen weiteren Anhalt für die Lage des alten Domes gibt die Ur-
kunde von 976, indem sie erwähnt, daß der Salzburger Hof südlich von S. Peter
sich befände, zwischen dem Hof des Grafen Berthold (Herzogshof) und der Straße,
die vor der Kirche gelegen ist. Aus dem 11. Jahrhundert sind nur wenige Notizen
überliefert. Das 12. Jahrhundert berichtet sodann von zwei Feuersbrünsten, die
den Dom heimsuchten (1152 und 1176). Ausbesserungen und Umbauten zogen sich
in das 13. Jahrhundert hinein. 1250 wurden Dom und Neubauten von den Reiter-
scharen des Königs Konrad und des Herzogs Otto von Bayern zu Stallungen und
Heumagazinen degradiert. Die Folge waren Wiederherstellungsarbeiten, auf die
verschiedene Indulgenzbriefe aus den Jahren 1250 bis 1254 hinzuweisen scheinen.
Zwanzig Jahre später, 1273, fiel der Dom einem verheerenden Feuer zum Opfer,

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