Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 27.1933

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Besprechungen.

O. W. F. Hegel: Die Idee und das Ideal, nach den erhaltenen Quellen
neu herausgegeben von Georg Lasson (Werke, herausgegeben von Georg Las-
son, Band X a, Vorlesungen über die Aesthetik, 1. Halbband: Einleitung und
erster Teil, 1. Abteilung), Meiner, Leipzig 1931. XVI, 398 S.

Friedrich Schleiermachers Aesthetik. Im Auftrage der Preußischen
Akademie der Wissenschaften und der Literatur-Archiv-Gesellschaft zu Berlin
nach den bisher unveröffentlichten Urschriften zum ersten Male herausgegeben
von Rudolf Odebrecht. (Das Literatur-Archiv IV.) De Gruyter, Berlin
und Leipzig 1931. XXXIX, 356 S.

Es ist ein glücklicher Zufall, daß im gleichen Jahre Neuausgaben der Hegel-
schen und der Schleiermacherschen Aesthetik erschienen sind. In beiden Fällen
handelt es sich nicht bloß um einen Neudruck, sondern um eine erhebliche Be-
reicherung und durchgreifende Verbesserung der bisher vorliegenden Veröffent-
lichungen. Lasson hat auf Grund von studentischen Nachschriften Hegels Vor-
lesungen über Aesthetik aus den Jahren 1823 und 1826 zweifelsfrei wiederher-
stellen können; er hat Gliederung und Gang, aber auch die „lebendige Lässigkeit
des mündlichen Vortrages" festgehalten und dadurch viele Willkürlichkeiten Hothos
getilgt. Seine Ausgabe umfaßt bisher allerdings nur die erste Abteilung des ersten
Teils. — Schleiermachers „Vorlesungen über Aesthetik" (1842 in der Gesamtaus-
gabe erschienen) ruhten auf einer unzureichenden Nachschrift; Lommatzsch hat
Schleiermachers — schwer lesbares — Grundheft kaum benutzt. Es war Ode-
brechts Aufgabe, mit diesem Grundheft und einigen anderen Hilfen ein nahezu
neues System an die Oeffentlichkeit zu bringen — eine Aufgabe, der er sich er-
sichtlich mit großer Gewissenhaftigkeit unterzogen hat.

Berlin. Max Dessoir.

Rudolf Odebrecht: Schleiermachers System der Aesthetik.
Grundlegung und problemgeschichtliche Sendung. Junker und Dünnhaupt,
Berlin 1932. 202 S.

Seiner Ausgabe von Schleiermachers Aesthetik, die uns mit einer Menge des
wichtigsten Stoffs bekannt gemacht hat, läßt Odebrecht jetzt eine Darstellung
folgen, die „die . . . geschichtlichen und systematischen Beziehungen tiefer be-
gründen und zu einem Ganzen gestalten soll". Als Maßstab für die Darstellung
wird angegeben, daß der Leser „von der überragenden Größe der Aesthetik
Schleiermachers zu überzeugen" sei (Vorwort); das ist vielleicht methodisch an-
fechtbar, aber es zeigt die innige Verbundenheit des Verfassers mit seinem Gegen-
stand — eine Verbundenheit, die ihr Ziel erreicht, indem sie durch ernsthaftes
Eindringen in den Gegenstand ihres Bemühens eine Reihe wesentlicher Erkenntnisse
erarbeitet und zu einer sehr weitgehenden Umwertung von Schleiermachers Stellung
in der Geschichte der Aesthetik Anlaß gibt.

Der historische Ort Schleiermachers liegt für Odebrecht zwischen Kant und
Dilthey. Schleiermacher ist ihm der rechtmäßige Fortsetzer Kants, und er selbst
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