Zeitschrift für christliche Kunst — 11.1898

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1 cm
facsimile
Abhandlungen.

Die alte Abbildung des Reliquien-
kreuzes im „Halle'schen Domschatz"

und das Original
im Nationalmuseum'zu Stockholm.

Mit 3 Abbildungen.

; er Riksantiquarien Herr
Dr. Hans Hildebrand,
der mir im Herbst 1892
das Studium der hoch-
bedeutsamen mittel-
[ alterlichen Sammlung
des schwedischen Nationalmuseums in
der freundschaftlichsten Weise erleich-
terte, machte mich, unmittelbar vor
meiner Abreise, auf einen magazinirten Bischofs-
stab aufmerksam, der schnell zur Hand ge-
schafft und durch seine Wappen mit dem Kar-
dinal Albrecht von Brandenburg in zweifellose
Verbindung gebracht wurde. Meine übereilte
Notiz war zu knapp, um mir, auch in Verbin-
dung mit der bald nachfolgenden Photographie,
die Veröffentlichung zu empfehlen, welcher auch
die Durchsicht des mir bis dahin durch eigene
Anschauung noch nicht bekannten „Halle'schen
Domschatzes" in der kgl. Hofbibliothek zu
Aschaffenburg vorhergehen mufste. Freilich
konnte in dieses überaus kostbare Inventar
des Kirchenschatzes Albrecht's von Branden-
burg, welches gemäfs dem Nachweise von Tdrey's
(in seiner Schrift »Kardinal Albrecht von Branden-
burg und das Halle'sche Heiligthumsbuch von
1520«, Strafsburg 1892, S. 22) im Jahre 1526
seinen Abschlufs fand, dieser Bischofsstab, der
das Datum 1539 trägt, keine Aufnahme ge-
funden haben, aber bei der grofsen Anzahl der
auf seinen mehr als 350 Tafeln abgebildeten
spätgothischen Metallgeräthen, schien die Hoff-
nung berechtigt, ganz verwandten Gebilden zu
begegnen. Diese erfüllte sich nicht, als ich im
Spätherbst 1893, auf dem Wege zum „ersten
kunsthistorischen Kongrefs", dank der Güte
des damaligen Hofbibliothekars Prof. Englert,
den interessanten Kodex einer Prüfung unter-

ziehen konnte. Hierbei fiel mir, gleich im An-
fange, in der „Erste Gangk" „Zum Funfften",
die farbenreiche, 31 cm hohe Abbildung eines
reich ausgestatteten Reliquienkreuzes nicht so
sehr wegen seines Reichthums und der Eigen-
art seines in die Form eines emaillirten Berges
gekleideten Fufses, sondern vornehmlich des-
wegen auf, weil ich sofort den Eindruck ge-
wann, das Original irgendwo gesehen zu haben.
Das Verlockende der Aussicht, die Anzahl der
Exemplare (gemäfs Rosenberg in dieser Zeit-
schrift Bd. IV, Sp. 372 nur drei [?]) um eines zu
vermehren, welche aus der Unmasse der in den
älteren Heilthumsbüchern abgebildeten Gegen-
stände als noch vorhanden nachgewiesen sind,
spornte mich zum Nachdenken und Nach-
forschen an. Eine Anfrage an meinen Freund
Hildebrand führte endlich auf die Spur; eine
von ihm auf Grund meiner Andeutung ge-
schickte Photographie eines Reliquienkreuzes
seiner Sammlung, das ich minder beachtet und
nicht in der Hand gehabt hatte, machte die
Identität desselben mit dem im Halle'schen
Domschatz abgebildeten um so wahrschein-
licher, nachdem auch von diesem bei mir eine
Photographie eingelaufen war, und Herrn cand.
arch. Paul Redlich in Aschaffenburg die Ver-
gleichung meiner Stockholmer Abbildung mit
dem alten Bilde zu demselben Ergebnisse ge-
führt hatte. Vollkommene Gewifsheit brachte
aber erst die sorgsame Prüfung, die ich im
vorigen Jahre wie in Aschaffenburg, unter dem
gütigen Beistande des Herrn Hofbibliothekars
Prof. Harrer, so in Stockholm mit dem Vertreter
des abwesenden Direktors Herrn Dr. Salin an-
stellte, so dafs also erst jetzt die früher (Bd. VIII,
Sp. 288) bereits von mir angekündigte Ver-
öffentlichung der wichtigen Entdeckung erfolgen
konnte.

An der Hand der hier beigegebenen Ab-
bildungen, von denen Fig. 1 die farbige Kopie
im Aschaffenburger Kodex, Fig. 2 die für un-
seren Zweck allein mafsgebende Vorderseite,
(Fig. 3 die Rückseite) des Stockholmer Originals
darstellt, können sich die geehrten Leser von
der Identität selbst überzeugen. Hieran mögen
bei dem anfänglichen Beschauen, noch Zweifel
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