Vollmer, Hans
Niederdeutsche Historienbibeln und andere Bibelbearbeitungen (Materialien zur Bibelgeschichte und religiösen Volkskunde des Mittelalters, Band 1, 2. Hälfte) — Berlin, 1916

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D. Zu den Historienbibeln gehörige Einzelhandschriften

verschiedener Mundart.

n diesem Abschnitt seien zunächst noch zwei nieder-
deutsche Handschriften behandelt, weil von solchen
zuletzt die Rede war.

Die biblischen Erzählungen in dem bekannten
wertvollen Sammelcodex 84a der Königlichen und
Provinzialbibliothek zu Hannover waren sicher
kein Unicum, stellen vielmehr nur eine Abschrift
einer verlorengegangenen oder doch bisher noch un-
bekannten Vorlage dar, ebenso wie manche andre
der im folgenden angeführten Handschriften. Zurzeit aber sind diese
Alleingänger einer bestimmten Gruppe nicht einzureihn. Mit den so-
genannten Loccumer Erzählungen, mit denen die Hannoverschen zu-
sammengestellt worden sind, gehören sie nicht zusammen: die Art der
Darbietung und die Zutaten sind bei den beiden recht verschieden;
im ganzen hält sich die Hannoversche Handschrift viel mehr an die
biblische Quelle. Auch im Umfang stimmen die beiden Texte nicht
überein: während der zu Hannover nur wenig über das Buch Josua
hinausreicht, geht der Loccumer erheblich weiter. Ganz deutlich aber
wird es durch einzelne Schreibfehler in dem Hannoverschen Codex,
daß es sich um eine Abschrift handelt, nicht um das Original, daß
also mindestens noch ein Textzeuge für diese Gruppe existiert hat.

Der aus dem Kloster Marienstuhl vor Egeln bei Halberstadt stam-
mende Hannoversche Sammelband vereinigt unsre Erzählungen mit einer
ganzen Reihe weiterer mittelniederdeutscher geistlicher Literaturstücke,
teils in gereimter Form, teils in Prosa. Fünf davon gehen den bibli-
schen Erzählungen voran: der Seelentrost, die Regula laicorum und die
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