Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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sehen und idealistischen Theorien über das Volk
verfangen. So engte er die slowakische künstle-
rische Entwicklung des 19. Jahrhunderts im
wesentlichen auf das Werk national bewusster
Künstler ein, resp. auf solche, deren slowakischer
Ursprung er für fraglos ansah. So konnte er für
die Zeit vor der Gründung eines selbständigen


1. Ján Rombauer, Porträt des Prešover Handelsherrn Ján
Samuel Steinhübl, 1804, Oel.

Staates die spezifische Bedeutung regionaler Tra-
ditionen nicht einschätzen, die sich an die kulturel-
len und ökonomischen Zentren der deutschen
und später magyarisierten, aber in der Slowakei
beheimateten Bourgeoisie knüpften. Seine Zeit-
gebundenheit hinderte ihn daran, die Möglich-
keiten einer Bereicherung des Entwicklungspro-
fils der nationalen Strömung der slowakischen
bildenden Kunst durch die Kategorie der national
indifferenten Kunst konsequent in Betracht zu
ziehen. Ebenso gestatte sie ihm auch nicht, die
dialektische Einheit und gegenseitige Bedingt-

heit dieser beiden Strömungen zu erwägen. In
seiner Konzeption wurde dann natürlich auch bei
weitem nicht die ganze zeitgenössische künstle-
rische Entwicklung und die ganze Palette des
Kunstlebens erfasst und ausgewertet. Gleich-
zeitig entstand auch eine scheinbar schwer zu
überbrückende Kluft zwischen der „slowakischen
nationalen Kunst“ und der übrigen in der Slowakei
entstandenen Kunst, die zum Grossteil überhaupt
nicht zur Kenntnis genommen wurde. Durch die
unhistorische Applikation des nationalen Krite-
riums auf die älteren Etappen unserer Kunst-
geschichte wurde so die Kunstvergangenheit der
Slowakei bedeutender Erscheinungen der sogen,
hohen Kunst beraubt. Natürlich wurde dadurch
das Bild der Kunstentwicklung der Slowakei
verzeichnet. Ja sogar die These von der Aus-
schliesslichkeit der Stellung der Volkskunst und
der Volkskunsterzeugung in den älteren Etappen
wurde unterstützt. Die eindringlich aufgeworfene
Frage nach der nationalen Kunst wurde auf diese
Weise nicht zufriedenstellend gelöst.
Daher stiess die Kunstgeschichte nach 1948
bei der Bearbeitung der Problematik des 19. Jahr-
hunderts wieder auf die nationale Frage als
Schlüsselproblem der Zeit, ebenso wie auch auf
die Frage der Beziehung und Bedingtheit des
slowakischen nationalen Kunstausdrucks mit
Rücksicht auf die übrige reiche künstlerische
Entwicklung der Slovakei.
Durch das Verdienst der Slowakischen National-
galerie, die in ihrer Exposition das Kunstmaterial
des 19. Jahrhunderts aus mehreren Regional-
gebieten der Slowakei konzentrierte und zu einem
Ganzen vereinigte, wurde ein breiterer Blick und
Ueberblick über das Kunstgeschehen dieser Pe-
riode gewonnen. In der neuen, freieren Inter-
pretation, die die vorhergehenden vermeintlichen
Hindernisse in der Betrachtung beseitigte, zeigte
dieses eine viel buntere Struktur, als sie von der
älteren Kunstgeschichte dargestellt worden war.
Die Kompliziertheit der Entwicklung der künst-
lerischen Produktion des vorigen Jahrhunderts
wurde sichtbar, in dem sich gemeinsam mit den
übrigen Völkern und Nationalitäten Ungarns
auch das slowakische Volk seiner selbst intensiver
bewusst wurde und kulturell zu manifestieren
begann.
In den Intentionen der marxistischen Lösung
der nationalen Frage unternahm dann Karol

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