Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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Vaculík in seinen Arbeiten über die Kunst des
19. Jahrhunderts in der Slowakei den ersten
Versuch einer Stabilisierung der neuen Kon-
zeption des 19. Jahrhunderts, die von den ob-
genannten Vorurteilen befreit war.
In seiner langfristig geplanten Aufgabe einer
Geschichte der Kunst des 19. Jahrhunderts in der
Slowakei knüpfte das Kollektiv des Instituts
der Kunsttheorie und Kunstgeschichte an alle
diese erwähnten vorhergehenden Ergebnisse an.
Mittels der monographischen Methode, mit der
einige Teilfragen, bedeutende und untergeordnete
Erscheinungen bearbeitet wurden, gelangte es
natürlich auch zu vielen neuen bedeutenden und
detaillierteren Feststellungen, so dass es heute
möglich ist, an die Präzisierung und Ausführung
mehrerer Details zu gehen und auf Grund einer
genauen Analyse des Ganzen auch zu einem
Erfassen und Stabilisieren der Stilveränderungen
zu kommen, die die Entwicklung unserer Kunst
in dem betreffenden Zeitabschnitt kennzeichneten.
Zeit und Entwicklung haben zur Korrektion der
Ueberbewertung der Beziehungen dieser Periode
zur Entwicklung der zeitgenössischen bildenden
Kunst beigetragen. Eine vertiefte Aneignung der
dialektischen Methode in der Erforschung und
Analyse der Erscheinungen hat zugleich dazu
geführt, dass vulgäre und unwissenschaftliche
Theorien sukzessive in zunehmendem Masse über-
wunden wurden. So wurde es möglich, auch in die
dialektischen Widersprüche im Innern der ein-
zelnen Erscheinungen einzudringen und sie adäquat
zu interpretieren.
Zu diesen widersprüchlichen Erscheinungen der
slowakischen Kunstgeschichte gehört zweifellos
auch die Vielschichtigkeit der Entwicklung der
slowakischen Kunst des 19. Jahrhunderts.
Wir verstehen darunter die parallele Entfaltung
und das Sich-Ueberschneiden mehrerer Strömun-
gen, nationaler und kosmopolitisch orientierter,
die durch die verflochtenen national-kulturellen
Verhältnisse der Oesterreichisch-Ungarischen Mo-
narchie verursacht wurden. Aus ihren Gegeben-
heiten und Voraussetzungen erwuchs später der
kosmopolitisch orientierte klassizistische Roman-
tismus Karol Markos d. Ae., wie auch der national-
messianistisch motivierte Romantismus Jozef B.
Klemens’, der in ähnlicher Weise einige lineare
und kompositorische Prinzipien des Klassizismus
benützte.

Gerade im Hinblick auf die Mehrschichtigkeit
der Entwicklung der Kunst des 19. Jahrhunderts,
vor allem der Malerei, zeichnen sich deutlich auch
die zweierlei Möglichkeiten einer Periodisierung
dieser Epoche ab. Die klassische Stilperiodisierung,
die formal-ideelle Abgrenzungen in Betracht zieht,
und die Periodisierung, die auf die Meilensteine des
nationalen Lebens und seiner kulturellen Mani-
festationen Rücksicht nimmt. Die Stilperiodi-
sierung hat auch in der Slowakei breitere Gültigkeit.
Man kann sie ebenso gut — wenn auch mit ge-
wissen zeitlichen Diskrepanzen — auf die Archi-
tektur, die Bildhauerei und die Malerei anwenden.
Die historische Periodisierung, die sich an die
kritischen Bruchstellen des nationalen Lebens
hält, findet ihre Begründung nicht in allen Genres
der bildenden Kunst in vollem Umfang. Ja sie
gilt nicht einmal für den ganzen Bereich der
Malerei, die am elastischsten auf nationales
Geschehen reagiert.
Andererseits stossen wir gerade zufolge des nie
dagewesenen schnellen Wechsels der Stil- und
Gedankenströmungen auch bei der Stileinteilung
auf Schwierigkeiten — und zwar mit Rücksicht
auf eine bedeutende Verspätung der Entwicklung
in einigen entlegenen Regionaleinheiten. In diesen
Gebieten überschneiden sich die Stil- und Ge-
dankenströmungen zu verschiedenen, mehr oder
minder verflochtenen Konglomeraten. Es ist sicher,
dass die ideelle Zielsetzung der slowakischen
nationalen Strömung in der Kunst des 19. Jahr-
hunderts für die Weiterentwicklung und für die
Herausbildung einer wirklichen nationalen Gestalt
der slowakischen Kunst entscheidend ist. Diese
Strömung bildet auch die geistige Unterstützung
für die Entwicklung unserer Kunst nach der
Befreiung. Die Untersuchung, oder gar Lösung
dieser Beziehungen und Zusammenhänge ist aber
nicht mehr die Aufgabe meines Koreferates.
Hingegen möchte ich mir erlauben, hier ein paar
Bemerkungen anzuführen, die die Stilentwicklung
der Malerei betreffen. Es handelt sich haupt-
sächlich um Erkenntnisse, die durch unsere letzten
Forschungen gewonnen wurden. Der erste Ein-
druck, der sich beim Verfolgen des Materials
dieser Zeit gewissermassen unwillkürlich auf-
drängt, ist das Gefühl, dass der Klassizismus, mit
dem unsere Periode beginnt, in der slowakischen
Malerei in seiner reinen, abstrahierten — sagen
wir, in der eleganteren Form — keine breitere

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