Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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zen Plejade kleinerer Künstler auch der Klassiker
der slowakischen Malerei Peter M. Bohúň an.
Durch seine Vermittlung ergiessen sich die Zipser
künstlerischen Bestrebungen in die historisch
bedeutende Epoche der slowakischen nationalen
Wiedergeburt. Die Verbindung und ursprüngliche
Beziehung von Bohúňs schon programmatisch natio-
naler Darstellung zum Zipser Schaffen ist nicht
nur durch das formale Schülertum gegeben, das
Schülertum in der Komposition und im künstleri-
schen Vortrag. Es ist von einem Durchdrungensein
der ganzen Atmosphäre des schöpferischen Klimas,
des Milieus und des Zipser bürgerlichen Stils
charakterisiert. Es handelt sich hier um eine
innere geistige Verbundenheit, die wir im Rück-
blick als Kontinuität des sogen, slowakischen
bürgerlichen Realismus von seinen ursprünglichen
lokalen Formen an bis zur zielbewussten natio-
nalen Programmatik erkennen.
Die zweite Etappe — die Etappe der eigentlichen
Entwicklung der nationalen Kunst, erlangt durch
den Einfluss einer festeren Herausbildung der
nationalen Bewegung gerade diesen qualitativ
neuen Wert. Aehnlich wie die gipfelnde politische
Aktivität der Štúr-Generation in den Jahren
1848—1849 zu einem direkten Bruch mit der

ungarischen Bourgeoisie führt, spaltet sich auch
die von den slowakischen nationalen Bestrebun-
gen getragene bildende Kunst von der ungarisch
orientierten Kultur ab und eignet sich viele
Ansichten und Grundsätze der tschechischen na-
tionalen Schule an.
Ein charakteristisches Moment dieser zweiten
Etappe ist der Beginn einer programmatischen
Entfaltung des Volksgenres. Stilmässig wird sie
anfangs noch vom Biedermeier charakterisiert,
das sich im Schaffen der Künstler der national
bewussten Generation mit jener Strömung über-
schneidet, die wir als einen Neoklassizismus
bezeichnen könnten, und mit dem nationalen
Romantismus. Nach der vorübergehenden Krise
der postrevolutionären Depression, die die Ent-
täuschung über die vorübergehende fälschliche
Verbindung der slowakischen revolutionären Kräf-
te mit der Wiener Reaktion widerspiegelt, knüpft
auch die national orientierte Kunst in zunehmen-
dem Masse durch die unmittelbare Beziehung zur
Realität an ein bewusst realistisches Streben an.
In vereinzelten Fällen zeigt sich hier auch ein
Nazarenismus, der mit seinen Tendenzen dem
Geist der Zeit zuwiderläuft. (Ich denke hier z. B.
an einen Teil des Werkes von Jozef B. Klemens,


5. Peter M. Bohúň,
Slowakische
V olksversammlung.
Um 1848—1849,
Oel.

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