Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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Akademie, sondern auch im Wege tschechischer
bildender Künstler in die Slowakei zur „Un-
berührtheit“ der slowakischen Eigenart.
Aus diesen grundlegenden Axiomen folgten
weitere Faktoren, die die kulturelle und künst-
lerische Entwicklung schon unmittelbar retar-
dierten. Erwähnen wir hier nur die Tatsache, dass
die slowakische Kunst darauf angewiesen war, sich
ohne Unterstützung des Staates oder eines offiziel-
len Forums zu entwickeln. Im Gegenteil, die zen-
tralistische Politik Wiens und diespätere bourgeois-
nationalistische Politik Pests verhinderten das
Heranwachsen eines grösseren Kulturzentrums in
der Slowakei. Damit hemmten sie natürlich auch
die Entfaltung der slowakischen metropolen Kunst
die fähig gewesen wäre, die besten Kräfte des
Landes zu konzentrieren. Unter der gegebenen
Situation schöpften gerade Pest und Wien unsere
produktivsten Talente ab. Nennen wir hier wenig-
stens solche verlorene Hoffnungen der slowaki-
schen Kunst wie sie Jozef Ginovský, Eudovit
Libay, Karol Marko d. Ae., oder die Bildhauer-
familie Dunajský darstellten. Zu dieser unerfreu-
lichen Erscheinung, die meistens vom Verlust des
nationalen Bewusstseins begleitet war, trug na-
türlich auch der Umstand bei, dass die Slowakei
keine angemessenen Fachschulen besass.
Je der ungünstigen ökonomischen Situation
finden wir auch die Antwort auf die Frage, warum
der Bildhauerei bei uns die Gelegenheit zu monu-
mentaleren Realisierungen fehlte. In der ausseror-
dentlich schwachen wirtschaftlichen Fundiertheit
der slowakischen Bourgeoisie finden wir dann noch
die spezielle Erklärung, warum der ersten Ent-
wicklungsphase der nationalen Strömung in der
slowakischen Malerei keine parallele, durch ähn-
liche Absichten motivierte Entwicklung der Plastik
entspricht, die hier — wenn wir von den sich
allerdings ausserhalb des Gebietes ihrer ursprüng-
lichen engeren slowakischen Heimat entfaltenden
Bestrebungen der Dunajskýs absehen, — wirklich
vollkommen fehlte.
Diese spezifischen Voraussetzungen bedingten
auch die individuelle Gestalt und Richtung der
slowakischen nationalen Schule, wie sich bei
einem Vergleich mit anderen nationalen Schulen
zeigt. Sie erklären nämlich die Ursachen, warum
sich die slowakische nationale Kunst zu Beginn
ihrer Entwicklung auf technisch weniger an-
spruchsvolle Kunstgenres beschränkte- auf die

Landschaftsmalerei und auf das Porträt. Hier
liegen natürlich auch die Wurzeln jener Erschei-
nung, dass sich bei uns später keine Historien-
malerei entwickelte und dass, im Gegenteil, die
ethnographische Thematik und das Volksgenre
einen erstrangigen Platz einnahmen.
Die Beleuchtung der Problematik der Voraus-
setzungen und der ersten Entwicklungsperiode der
slowakischen nationalen Schule trägt nach unserer
Meinung zur gesamten Beleuchtung der Proble-
matik unseres 19. Jahrhunderts bei. Sie hilft auch,
weitere historische Periodisierungsgrenzen festzu-
setzen, durch die sich nach der Periode eines
vorübergehenden Verfalls der Welle des nationalen
Lebens die Periode der neunziger Jahre wieder
auszeichnet — der sogen. Periode der zweiten na-
tionalen Wiedergeburt. Diese gipfelt in der Hodo-
niner Ausstellung des Jahres 1902 und kommt
dann den neuen, günstigeren Voraussetzungen für
die Entwicklung nach der nationalen Befreiung des
Jahres 1918 entgegen.

8. Dominik Skutecký, Vor dem Mittagessen, Oel.


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