Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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15. Martin, Slowakisches
Museum, 1908.


suche um den Pseudobarock haben sich gegen
Ende des Jahrhunderts in einem prädominierenden
und all-umfassenden Gemisch aufgelöst.
Die romantische Bewegung des 19. Jh. hat mit
seinem Historismus nicht nur ein Zurückschauen
in längst vergangene Epochen mit sich gebracht,
sondern hat uns mit ihrem Interesse am Exotischen
auch die Architektur des Ostens nähergerückt;
maurisch-byzantinische Elemente kamen vorerst
bei Bauten von Synagogen zur Anwendung, später
jedoch, in Verbindung mit der Gotik und Sezession,
wurden sie z. B. zu einer der Unterlagen des
Strebens nach einem ungarischen nationalen Stil.
Die eklektischen Beispiele der nordischen oder
transalpinen Bauart des 16. und 17. Jh. tragen
auch Spuren einer ursprünglichen Synthese des
gotischen- und Renaissance-Schaffens, die — mit
einem gewissen, historisch gerechtfertigten Eklek-
tizismus — bereits bei ursprünglichen ausländi-
schen Vorlagen zur Geltung kamen.
*
Die durch den vorherrschenden Kosmopoli-
tismus ermöglichte Verbreitung dieser Kunstrich-

tungen des 19. Jh. wurde zu einer gesellschaftlichen
Angelegenheit modischen Charakters; die Archi-
tektur wurde zu einer Ware, die den Konsumenten
zu einer individuellen Lebensäusserung verhülfen
hat. Die Vielfalt der Äusserlichkeiten trug dazu
bei, dass es Mode geworden ist danach zu streben,
ein Objekt, ein Haus zu besitzen, das von den
übrigen existierenden Objekten oder Häusern ab-
weichend war. Bei einer Betonung der Verbreitung
eines geistlos akzeptierten Eklektizismus muss
jedoch darauf hingewiesen werden, dass es auch
im 19. Jh. einen Unterschied gab zwischen dem
ehrlichen Streben talentierter Architekten nach
künstlerischen Leistungen und der laufenden ge-
werbsmässigen Produktion.
Die Arbeitsteilung bei den architektonischen
Professionen führte zu einer Isolierung des pro-
jektierenden Architekten-Künstlers von der archi-
tektonischen Produktion; einerseits bedeutete dies
eine Möglichkeit für ein tieferes Studium der
Theorie, der historischen Exempeln und ein Frei-
werden für ein spekulativeres Herantreten an das
Projekt; andererseits entstand jedoch dadurch eine
„bürokratische Isolation“ des Architekten vom
Baumaterial, vom Baugewerbe. Die Differenzie-

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