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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0213

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Oberrheinische und hochrheinische Frühbronzezeitler im anthropologischen Gruppenvergleich

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seitlich stark herausgelappt. Der rechte erhaltene Warzenfortsatz bildet einen langen
derben Zipfel und die Protuberantia occ. ext. besteht aus einer etwa 3 cm langen nach
unten überkippenden Leiste. Dazu ist das Kranium als Ganzes groß und grob model-
liert. Nicht so derb, wie der Schädel erwarten ließe, ist das übrige Skelett: Die Lang-
knochen sind eher schlank, ihre Muskelmarken sind nur mäßig als Rauhigkeiten oder
Leisten ausgebildet. Alles zusammengenommen, sprechen die Indizien gleichsinnig für
männliches Geschlecht.
Typendiagnose:
Das robuste Kranium ist absolut groß; so beträgt die Größte Hirnschädellänge 193 mm,
die rekonstruierte Jochbogenbreite dürfte bei 144 mm liegen. In der Seitenansicht wird
der vordere Umriß des Hirnschädels bestimmt von der ungewöhnlich grob vorgewul-
steten Überaugen-Glabella-Partie, unter der die Nasenwurzel tief eingezogen sitzt und
über der die weitbogig zurückgeschrägte Stirn nach hinten oben wegzieht. Der Vertex-
punkt ist indessen nicht markiert, vielmehr bildet der Scheitel eine waagrechte, seichte
Bogigkeit, die in ein fast steil abfallendes hohes, nur im Oberschuppenpol leicht aus-
gewölbtes Hinterhaupt übergeht; die Rasanz der Vorderhauptkurve wechselt über zu
einer gleichsam von hinten nach vorn gestauten und fast steilgestellten Abschüssigkeit
der Hinterhauptskurve. Das Längen-Höhen-Verhältnis zeigt nach dem LäOhl mit 62
die Tendenz von der Indexorthokranie zur Indexhypsikranie. Unter diesem Hirn-
schädel sitzt ein übersteiles Ganzgesicht mit schwerem, derbem Jochbein, tief zurück-
geschnittener Orbita, bogig erhobenen Nasenbeinen (mit leichter S-Profilierung) und
betonter Kinnspitze. Bei Vorderansicht ist alles mit Ausnahme der Kleinsten Stirnbreite
in die Breite gezogen; der Hirnschädel mit der mäßig dachförmigen Stirn, die ziemlich
niedrigen und merklich hängenden Augenhöhlen, der Jochbeinabstand, die Unter-
kieferwinkelbreite zwischen den höckrig verstärkten und seitlich herausgelappten
Gonien. Das Kinn ist unten waagrecht abgekantet. Die knöcherne Nase ist als Ganzes
wenig hoch, im Oberteil aber mit derben Nasenbeinen weit aus dem Gesicht erhoben,
die unteren Seitenwände sind merklich ausgebläht. Beide Wangengruben sitzen tief
unten, so daß das Mittelgesicht im Jochbein-Oberkieferbereich flächig erscheint. Der
vordere Zahnbogen tritt mit weitbogiger Horizontalkontur nur wenig hervor: Es
handelt sich um ein finster wirkendes, eckenbetontes Breitgesicht. Hierzu passen einige
metrische Daten: Der morphologische Gesichtsindex ist mit etwa 82 euryprosop, nach
dem Nasenindex mit 52 ist die knöcherne Nase schwach chamaerrhin, der Orbitalindex
tendiert mit 77 zur Chamaekonchie. Die Oberansicht zeigt mit breitem und stumpf-
ovalem Umriß deutlich die Stauchung von hinten nach vorn. Das ganze Hinterhaupt
ist in sich nur wenig gewölbt, im Lambdabereich sogar fast flach. Der stumpfe Mittel-
grat der Stirn verstreicht noch vor dem Bregma. Eindrucksvoll überragt die enorme
Unterstirnbewehrung den Stirnumriß, auch die Ausladung des rechts erhaltenen Joch-
beins ist gut zu erkennen. Trotz absolut großer Hirnschädellänge (193 mm) ist das
Kranium indexbrachykran, da die große Breite mit 156 mm einen LBI von 81 ein-
bringt. Auch in der Hinteransicht mit seichten Binnenwölbungen herrscht Breiten-
betonung vor. Der BrOhl ergibt denn auch mit dem Werte 76 Tapeinokranie.
Alle diese charakteristischen Prägungen koordinieren sich eindeutig. Es handelt sich hier
um einen im Schädel derb modellierten Mann des brachymorph-cromagni-
d e n Typus.
 
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