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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0215

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Oberrheinische und hochrheinische Frühbronzezeitler im anthropologischen Gruppenvergleich

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merkliche Prognathie mit Oberkieferprodentie, das Kinn spitzt nach vorn unten hinab.
Das Ganzgesicht fällt durch geringe Tiefenausdehnung auf.
Nach diesen Komplex- und Detailmerkmalen kann die Zugehörigkeit dieses Kraniums
zum t a u r i d e n Typus nicht bezweifelt werden.
Die Körpergröße läßt sich zwar nicht errechnen, aber der unmittelbare Vergleich des
rechten Femurs (bei dem die unteren Partien der Condylen fehlen) mit dem entspre-
chenden Oberschenkelbein des Skelettes aus Grab 52/5 ergibt, daß die junge tauride
Frau etwas größer gewachsen war als dieser brachymorphe Cromagnide.
Skelett aus Grab 52/14 (Taf. 66—67. 1)
Erhaltung:
Aus vielen Scherben zusammengefügte linksseitige Kaivaria. Von der rechten Schädel-
seite liegen als nicht ansetzbar vor: Einige Knochenscherben und das stark bestoßene
Schläfenbein. Das zusammengesetzte Stück zeigt noch mehrere Lücken, der Stirnnasen-
fortsatz ist nur linksseitig erhalten. Vom anatomischen Gesicht sind vorhanden: Der
schwer beschädigte Unterkiefer mit einem nicht ansetzbaren Stück des rechten Astes,
die vordere Partie des Oberkiefers mit der unteren Nasenöffnung, ferner die das rechte
Auge rahmende Partie des rechten Jochbeines und vier lose Zähne. Vom Körperskelett
liegen nur einige Schäfte der Langknochen, ein Femurkopfrest, kleine Trümmer des
Beckens und eine Handvoll sonstiger Splitter vor.
Alter:
Die Kranz- und Pfeilnähte sind völlig verschwunden, ebenso ist die Lambdanaht an der
Schädelinnenseite verstrichen. Im Unterkiefer sind die intra vitam vorhandenen Zähne
P2 bis P2 stark abgekaut, dahinter sind alle Molarenfächer fast bis ganz verschlossen und
zum Teil tief abgebaut. Beide Unterkieferwinkel sind langgestreckt. Im Oberkiefer
waren zu Lebzeiten die Zähne I1 bis P2 tief abgekaut vorhanden, der folgende 1. Molar
besteht nur aus einer hohlen Wurzel. Die jetzt noch vorhandenen linksseitigen Ober-
kieferzähne I1 bis C sind ebenfalls stärkstens abgerieben. Nach alledem ist hoch-
matures bis seniles Alter anzunehmen.
Geschlecht:
Der absolut große Hirnschädel besitzt eine rasante Sagittalkurve, eine deutlich vor-
gebeulte Glabella-Stirnnasenfortsatzpartie, eine leistig erhabene Linea nuchae sup. Das
Kinn ist ein zwar schmales, aber ausgeprägtes Dreieckskinn. Die Skelettreste stammen
von einem starkschäftigen Individuum: Breite Oberschenkelpilaster und derbe Muskel-
marken deuten in gleicher Richtung — es handelt sich um einen wahrscheinlich groß-
wüchsigen Mann.
Typendiagnose:
Trotz des fragmenthaften Zustandes sind gute Anhalte für eine Typenanalyse gegeben:
Der Hirnschädel ist in Oberansicht schlank-elliptisch umrissen, der annähernd rekon-
struierbare Längen-Breiten-Index dürfte bei einer absolut beträchtlichen Größten Länge
von 196 mm etwa 72 betragen und zeigt mithin eine deutliche Dolichomorphie an. Nach
dem Längen-Ohrbregmahöhen-Index mit dem Werte 70 — Ohrbregmahöhe 137 mm —
ist der Hirnschädel stark hypsikran, nach dem Breiten-Ohrbregmahöhen-Index von
97 stark akrokan, d. h. er ist im ganzen sehr hochförmig. In der Seitenansicht bildet
 
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