Behrens, Peter; Deutscher Werkbund [Editor]
Bau und Wohnung: die Bauten der Weißenhofsiedlung in Stuttgart errichtet 1927 nach Vorschlägen des Deutschen Werkbundes im Auftrag der Stadt Stuttgart und im Rahmen der Werkbundausstellung "Die Wohnung" — Stuttgart, 1927

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FÜNF PUNKTE ZU EtNER NEUEN ARCHtTEKTUR
Die nachfolgend dargestellten theoretischen Betrachtungen gründen
sich auf langjährige praktische Erfahrungen auf dem Bauplätze.
Theorie verlangt knappe Formulierung.
Es handelt sich hier keineswegs um ästhetische Phantasien oder Trach-
ten nach modischen Effekten, sondern um architektonische Tatsachen,
welche ein absolut neues Bauen bedeuten, vom Wohnhaus bis zum
Palasthaus.
Die Pfosten: Ein Problem auf wissenschaftlichem Wege lösen,
heißt zunächst seine Elemente unterscheiden. Bei einem Bau kann
man daher ohne weiteres die tragenden von den nichttragenden
Teilen trennen. An Stelle der früheren Fundamente, auf welchen das
Gebäude ohne rechnerische Kontrolle ruhte, treten Einzelfundamente
und an Stelle der Mauern einzelne Pfosten. Pfosten wie Pfosten-
fundamente werden nach den ihnen zukommenden Lasten genau
berechnet. Diese Pfosten ordnen sich in bestimmten gleichen Ab-
ständen an, ohne dabei auf die innere Anordnung des Hauses Rück-
sicht zu nehmen. Sie steigen unmittelbar vom Boden auf, bis zu 3,
4, 6 usw. Meter und heben das Erdgeschoß empor. Die Räume wer-
den dadurch der Erdfeuchtigkeit entzogen; sie haben Licht und
Luft; das Bauterrain bleibt beim Garten, welcher infolgedessen unter
dem Haus durchgeht. Dieselbe Fläche gewinnt man auf dem Hachen
Dache nochmals.
Die Dachgärten: Das Hache Dach erfordert zunächst konse-
quente Ausnützung zu Wohnzwecken: Dachterrasse, Dachgarten.
Andererseits verlangt der Eisenbeton einen Schutz gegen die Ver-
änderlichkeit der Außentemperatur. Zu starkes Arbeiten des Eisen-
betons wird durch Erhaltung einer bleibenden Feuchtigkeit auf dem
Dachbeton verhindert. Die Dachterrasse genügt beiden Forderungen
(regenfeuchte Sandschicht, mit Betonplatten bedeckt, in den Fugen
derselben Rasen; die Erde der Blumenbeete mit der Sandschicht in
direkter Verbindung).
Auf diese Weise fließt das Regenwasser äußerst langsam ab; Abfall-
rohre im Innern des Hauses. Es bleibt somit eine latente Feuchtig-
keit auf der Dachhaut stehen. Die Dachgärten weisen üppigste Vege-
tation auf. Es können Sträucher, sogar kleine Bäume bis zu 3 bis
4 Meter Höhe ohne weiteres gepflanzt werden.

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