Behrens, Peter; Deutscher Werkbund [Editor]
Bau und Wohnung: die Bauten der Weißenhofsiedlung in Stuttgart errichtet 1927 nach Vorschlägen des Deutschen Werkbundes im Auftrag der Stadt Stuttgart und im Rahmen der Werkbundausstellung "Die Wohnung" — Stuttgart, 1927

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HANS POELZ!G
BERUN

Ertäuterungen
Das Haus Poelzig soll den Bedürfnissen des geistigen Arbeiters
dienen, ohne daß diesem aber eine Umstellung auf völlig neuartige
Wohnverhältnisse zugemutet würde. Da aber die Frau in unserer
Zeit vielfach auch beruflich tätig ist oder sich nicht mehr ausschließ-
lich dem Haushalt widmen möchte, ist es wichtig, das Wohnen so
rationell wie möglich zu gestalten.
Der Grundriß des Hauses ist deshalb möglichst geschlossen ge-
halten und so gesaltet, daß viel und auf vielseitige Art benutzbarer
Raum entsteht.
Weite Wege und längere Flure sind vermieden; der kleine Zwischen-
flur im Erdgeschoß ist notwendig als Luftschleuse zwischen Eß-
zimmer, Küche und Treppenhaus, und ein kleiner ebener Stichflur
vermittelt den Schlafzimmern und dem Bad im Obergeschoß direkten
Zugang zur Treppe.
Das Haus ist so angelegt, daß es sich nach Norden und Westen
schließt, nach Süden und Osten — der Sonne und der schönen Aus-
sicht entgegen — öffnet.
Im Erdgeschoß befinden sich Küche, Eßraum mit geschlossener
Veranda und der große Wohn- und Arbeitsraum. Das Eßzimmer
kann durch Öffnen einer vierteiligen verglasten Tür mit der Veranda
zusammengezogen werden; die ganz verglaste Veranda kann geheizt,
als Frühstücksraum oder auch, im Winter, als Blumenzimmer benutzt
werden.
Die Wand zwischen Eßzimmer und Küche sowie die Ostwand be-
steht — außer Tür und Fenster — aus Schrankeinbauten. Auch in
der Küche sind bis auf den Sitzplatz alle Möbel eingebaut und um
den Arbeitstisch sind sie so gruppiert, daß beim Arbeitsvorgang
jeder Gegenstand auf kürzestem Wege zu erreichen ist.
Das Wohnzimmer als Hauptaufenthaltsraum, zumal für die kältere
Jahreszeit, hat in Holz getäfelte Wände und öffnet sich durch ein
großes Fenster nach Süden. An diesem Fenster befindet sich der Sitz-
platz, das kleinere Fenster in der Westwand dient lediglich der guten
Belichtung der Schreibtische und der Bücherschränke.
Die Schlafzimmer im Obergeschoß sind möglichst einfach gestaltet.
Die Schränke sind eingebaut und die beweglichen Möbel so gestellt,
daß ein gründliches Reinigen des Raumes leicht erfolgen kann.

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