Berger, Albrecht
Untersuchungen zu den Patria Konstantinupoleos — Bonn, 1988

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EINLEITUNG

Die Patria Konstantinupoleos wurden in ihrer ältesten Form, der im
folgenden so genannten Rezension P, um 989/90 zusammengestellt. Diese
Schrift beschreibt in vier Büchern und etwa 270 Einzelnotizen die Ge-
schichte von Konstantinopel, seine Standbilder, Kirchen, Paläste und
Mauern.

Etwa für die Hälfte des gesamten Textes sind uns die Quellen
bekannt: Das Buch I ist die erweiterte Bearbeitung des sogenannten
Pseudo-Hesychios, einer Schrift des sechsten Jahrhunderts über die
Geschichte des alten Byzanz und die Gründung Konstantinopels; das
Buch II beruht zum Großteil auf den Parastaseis syntomoi chronikai,
einer Exzerptensammlung aus der Zeit um 800 über die Standbilder von
Konstantinopel, und das Buch IV reproduziert fast unverändert die
legendäre Erzählung vom Bau der Hagia Sophia, die wohl aus der Mitte
des neunten Jahrhunderts stammt.

Die Bücher II und III der Rezension P bringen die Notizen über
Standbilder und Gebäude nur teilweise nach Besichtigungswegen oder
Sachgruppen geordnet, so daß sie keine Schlüsse auf die Lage einzelner
Monumente zulassen.

Im frühen elften Jahrhundert, nicht lange nach ihrer Entstehung,
wurde die Rezension P ohne Hinzufügung von neuem Material zur soge-
nannten topographischen Rezension umgegliedert. Der Stoff ist jetzt
unter Verwendung der in P vorgegebenen Wege und Sachgruppen in zwei
Hauptteilen angeordnet, von denen der eine drei lange Besichtigungs-
wege durch die Stadt, der andere thematische Listen von Zisternen,
Stadtmauern und Klöstern in und außerhalb von Konstantinopel enthält.

In ihrer Urgestalt ist die topographische Rezension allerdings nicht
erhalten, sondern nur in den beiden voneinander abweichenden Versio-
nen C und M, die über mindestens zwei Zwischenstufen aus ihr hervor-
gegangen sind.

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