Berger, Albrecht
Untersuchungen zu den Patria Konstantinupoleos — Bonn, 1988

Page: 163
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DIE PATRIA ALS HISTORISCHE QUELLE

Wie wir bei der Analyse der Patria in der Rezension P festgestellt
haben, schöpft diese Schrift aus den verschiedensten Vorlagen und läßt
sich nicht als einheitliche historische Quelle betrachten. Diejenigen
Teile, die nicht aus Pseudo-Hesychios, den Parastaseis oder der Diege-
sis über die Hagia Sophia übernommen sind, lassen sich nicht auf eine
zusammenhängende chronikartige Quelle zurückführen1.

Über die Vorlagen dieser Teile - ein Stück des Buches II und das
ganze Buch III - habe ich oben eine Reihe von Hypothesen aufgestellt,
die aber immer nur kürzere und nicht durchgehende Notizengruppen be-
treffen2.

Für den gesamten Text gilt jedoch die Beobachtung, daß die mei-
sten Notizen aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt sind, nämlich ein-
mal der Angabe von Bau und Gründer, zum anderen weiterführenden Er-
zählungen aus verschiedenen Quellen. Der zweite Teil kann dabei fort-
fallen, und die Art, wie er dort, wo er vorhanden ist, oft mehr oder
minder gewaltsam an den ersten Teil angefügt ist, legt nahe, daß der
Kern der Patria in den Abschnitten ohne bekannte Vorlage eine Art
Bauliste war, die nicht mehr als die Gründungsnachricht enthielt und
vom Redaktor mit unabhängigem Material ausgearbeitet wurde. Wie diese
Ausarbeitung geschah und auf welche Quellen sie sich stützte, soll im
folgenden untersucht werden3.

über diese postulierte Bauliste wissen wir so gut wie nichts. Sie
kann von ihrem Verfasser aus schriftlichen Quellen entnommen worden
sein oder auf Autopsie beruhen. Für die zweite Möglichkeit spricht

1 S. oben S. 75.

2 S. oben S. 76-83.

3 S. unten S. 175-186.

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