Berger, Albrecht
Untersuchungen zu den Patria Konstantinupoleos — Bonn, 1988

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DIE PATRIA IN DER REZENSION P

Die größte uns bekannte patriographische Sammlung und im Sprach-
gebrauch der Forschung die Patria schlechthin ist eine am Ende des
zehnten Jahrhunderts zusammengestellte Schrift, die in dieser Arbeit
als die Rezension P bezeichnet wird. Sie enthält in vier Büchern neben
Material aus unbekannten Quellen die fast vollständigen Texte des
Pseudo-Hesychios, der Parastaseis und der Diegesis vom Bau der Hagia
Sophia. Ihr Aufbau und ihre Art der Quellenverwertung soll im folgen-
den Abschnitt untersucht werden. Es wird sich dabei zeigen, daß die
Arbeit im wesentlichen von einem Redaktor und in einem Zug durch-
geführt worden sein muß. Die Bedeutung der verschiedenen Zeit- und
Datumsberechnungen, die zur einer Datierung auf die Zeit um 989/90
führen, wird unten in einem eigenen Abschnitt untersucht1.

Die Patria in der Rezension P erreichen eine Vollständigkeit in
ihren Berichten über die Bauten von Konstantinopel, die keiner ihrer
Vorgänger und keine vergleichbare jüngere Quelle aufweist2. Ihr In-
halt kennzeichnet sie als ein Lexikon oder Handbuch der Stadtge-
schichte und nicht als Fremdenführer, wie häufig gesagt wurde. Das ist
ein Umstand, der bei der Beurteilung der topographischen Rezensionen
von Bedeutung sein wird3. Die Tatsache, daß sie praktisch zur glei-
chen Zeit wie das Suda-Lexikon entstanden sind4 und, wie erwähnt,
in der Zwischenquelle x auch eine gemeinsame Vorlage verwenden, legt
einen Ursprung im selben Umkreis nahe, möglicherweise dem des Kaiser-
hofes, in dem auch die nur wenig jüngere topographische Fassung anzu-

1 S. unten

S.

187-196

2 S. unten

S.

149-161

3 S. unten

S.

91 f.

4 Dazu vgl. Artikel Suidas. RE IVA 675-717 (A. Adler 1932).

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