Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1889

Page: 93
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bkgvm1889/0051
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Wandmalerei im Schloß Trausnitz bei Landshut.

Aus R. Gehring's Werk: „Ornamentale Malereien vom Schloß Trausnitz". (Landshut, Zabuesnig, Taf. ^Z.)

Lin ßrMiKr Mttnkk.

von Lornelms Gurlitt.*)

n den Akten des Dresdener königlichen haupt-
staatsarchives befindet sich ein aus Landshut
datirtcs Schreiben des Herzogs Albrecht V.
von Bayern (geb. \528, gest. \579) vom
(<(. Akärz (570, welches an Rurfürst August von Sachsen
(geb. \526, gest. (586) gerichtet ist. Dasselbe lautet: Wir
haben Euer Lieb. Schreiben, derinn Sy vnnsers alhierigen
plattners freundlich begern, verschiner Tag In vnnserm
aufpruch, als wir gleich von Prag verraisen wellen, wol

empfangenn.Also haben wir... So bald wir ietz

hieher.gelannget sin dt.... vnsern ... Son hertzog

Wilhelmen bemellten plattner eruordern, Inre berürt
<£. L. Schreiben fürhallten vnnd daneben aufcrladen lassen,
sich den negsten nach dato zu <£. L. zu uerfucgen vnnd die
angedeute arbait bessten vleis zu uerrichten. Der hat aber
zu seiner enntschuldigung, worumb er nit so bald pariren
känndte, nachuolgende Ursachen vnnderthenig furbracht, wie
er nenilich von der Röm. Ray. Alt. wegen ain werckh vnnd
arbait vnndterhannden hette, derwegen von Irer Alt. Ime
erst dise tag beuolch zuekhomen were, von solcher arbait,
Sy seyn dann an die stat vollendet vnnd ausgemacht, nit
zelaffen; mit dero er nun bis fchirist khomennde Pfingsten
wol zethun hätte. Sobald aber solche Zeit furuber, were
er vnnderthenig erbütigt bey E. L. sich sambt seinen Gesellen,
deren er bedurfftig, einzestellen, der vorhabennden E. L.

arbait ze vnnderfahen vnnd an das ort ze bringen. Wollten
wir <£. L. zu freundtlicher wideranntwort nit verhallten, die
werden vnns hierüber, wes <£. L. weitere gelegennheit sein
wil, es dem plattner fürzehallten haben, herwieder zu be-
richten wissen.(Landshut d. (H. Alärz (570. Eigen-

händig unterschrieben; Loc 8506. Akt: Bayern, hertzog
Albrecht rc. Schreiben (555—(586, Blatt 27.)

Aus diesem Schreiben geht also hervor, daß Rurfürst
August, der Gründer der Dresdener Sammlungen und
kunstsinnige Freund des Runstgewerbes, wegen eines in
Landshut wohnenden Plattners an den Herzog nach Prag
geschrieben habe, obgleich es in Dresden selbst sehr ansehn-
liche plattnerwerkstätten gab. Der Herzog empfing den
Brief bei seiner Abreise und übergab ihn seinein Sohne,
dem Herzog Wilhelm V. (geb. (5^8, gest. (626), der
den plattner mit dem Inhalte desselben bekannt machte
und ihm die „angedeutete Arbeit mit besten: Fleiß zu ver-
richten" austrug. Der plattner entschuldigte sich aber damit,
daß er „so bald nicht pariren könnte", weil er „von der
Römischen kaiserlichen Alajestät wegen ein Werk und Arbeit
unter den Händen habe, derentwegen vom Raffer ihm erst
dieser Tage ein Befehl zugekommen wäre, von solcher Arbeit
nicht abzulassen, sie sei denn vollendet und ausgemacht".
Damit werde er etwa noch bis kommende Pfingsten zu thun
haben. Pfingsten fiel (570 auffallend früh, auf den 5. Alai.

*) wir verweisen hinsichtlich der Geschichte der plattnerei auf das kürzlich im Verlage der Gilbers'schen ffofbuchhandlung, Dresden,
erschienene Werk Gurlitt's über „Deutsche Turniere, Rüstungen lind Plattner des (6. Jahrhunderts", einer auf umfassenden Studien in Archiven
und Museen begründeten Darstellung des bisher so wenig erforschten Aunstgebiets. D. Red.

Die autotypischen LlichLs in diesem Aufsatz wurden von L. Albert & Lo. in München hergestellt.

X


Zeitschrift des bayer. Aunstgewerbe-Vereins München.

Heft 9 Sc ^0 (Bg. 0- *889.
loading ...