Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 18.1906

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ANREGUNGEN UND VORSCHLÄGE ZUR ERWEITERUNG DES
PROGRAMMS UNSERER KUNSTGEWERBLICHEN
AUSSTELLUNGEN.

In seinem Bericht über die »Dresdner Kunst-
gewerbe-Ausstellung« führt Dr. E. Zimmer-
mann die wohltuende, einheitliche Wirkung
der Ausstellung ganz mit Recht auf das
vorzügliche Programm zurück, das für sie
ausgegeben war. Ich begrüße diesen Erfolg
der von mir seit Jahren vertretenen Ideen
mit lebhafter Freude und Genugtuung. Denn
— darauf darf ich in diesem Moment wohl
hinweisen — das Programm, das hier end-
lich voll zur Verwirklichung gelangt ist, habe
ich in den früheren Jahrgängen dieser Zeit-
schrift oft und oft als das allein erstrebens-
werte bezeichnet. Die eigenartige und
epochemachende Ausstellung der »Darm-
städter Künstler-Kolonie« brachte ja schon
wenigstens eine teilweise Erfüllung jener
Forderungen, und die Ausstellungen in Turin
und St. Louis wiesen weitere Errungen-
schaften auf; es war daher eine weise Tat
der Dresdner Ausstellungsleitung, daß sie
auf jenem einzig erfolgsicheren Wege: der
Vereinigung der freien mit der angewandten
Kunst, der Vorführung lebendiger Organis-
men (Wohn- und Geschäftshäuser, Schulen etc.)
weitergeschritten ist. Die hier gemeinten
Aufsätze finden sich in Jahrg. 1899 S. 106
»Erste Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung
in Darmstadt«. Jahrg. 1901 S. 28 im An-
schluss an die Pariser Welt - Ausstellung
»Reformen im Ausstellungswesen«. Jahr-
gang 1901 S. 537 »Der deutsche Kunst-
gewerbetag«. Jahrg. 1902 S. 519 »Erste Ein-
drücke von der Turiner Ausstellung«. Jahr-
gang 1903 S. 305 »Reformen im Ausstellungs-
wese?t und die Vertretung deutscher Kunst
in St. Louis«. Jahrg. 1904 S. 194 » Vor-
führung der für St. Louis bestimmten Aus-
stellungswerke«, sowie in Monographie VII
»Die Ausstellung der Darmstädter Künstler-
Kolonie« 1 u. ff.

Im Anschluß an meine früher gegebenen

Anregungen sollen hier noch einige weitere
mitgeteilt werden, die ich für die heutigen
schon recht geklärten Ausstellungs - Pro-
gramme als eine wertvolle Ergänzung er-
achten würde und für deren Durchführung
ich umso lebhafter eintreten möchte, als der
ethische und erzieherische Wert unserer heu-
tigen Ausstellungen dadurch noch bedeutend
mehr wie bisher zum Ausdruck gelangen
dürfte:

Wenn wir den umfangreichen Ausstel-
lungskalender durchblättern, so finden wir,
daß wir in Deutschland trotz der immer
wieder auftauchenden gegenteiligen Ver-
sicherung noch lange nicht ausstellungsmüde
geworden sind, obwohl fortgesetzt an die
Aussteller ganz horrende Anforderungen
gestellt werden.

So haben wir gegenwärtig die ganz vor-
züglich organisierte III. Deutsche Kunstge-
werbe-Ausstellung in Dresden, die sehr um-
fangreiche Bayerische Landes-Ausstellung in
Nürnberg, sowie die erste große Ausstellung
der »Kunstfreunde der Länder am Rhein«
in Köln, ferner 1907 eine internationale
Kunst - Ausstellung in Mannheim, eine
deutsch-nationale in Düsseldorf, eine gleiche
1908 wieder in Dresden und die »Hessische
Landes-Ausstellung für freie und angewandte
Kunst« in Darmstadt 1908, ohne die vielen
alljährlich wiederkehrenden Kunst-Ausstel-
lungen in München und Berlin und vielen
kleineren Fach-Ausstellungen und lokalen
Veranstaltungen verwandter Art.

Alle wissen wir, daß die finanziellen Er-
gebnisse der bisherigen Ausstellungen —
soweit sie nicht mit dem üblichen Jahrmarkts-
rummel verknüpft waren — außerordentlich
gering, ja zum großen Teil mit erheblichen
Verlusten verbunden waren, hauptsächlich
dadurch hervorgerufen, daß den meisten
dieser Veranstaltungen ein anziehendes, eigen-

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