Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 18.1906

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ludwig v. hofmann: Wandgemälde für die Mnseums-Halle in Weimar.

DIE MUSEUMS-HALLE FÜR WEIMAR

AUF DER III. DEUTSCHEN KUNSTGEWERBE-AUSSTELLUNG DRESDEN 1906.

Van de Velde ist entschieden eine der sehr
interessanten Persönlichkeiten unseres
Kunstlebens und wer die Geschichte des
modernen Kunstgewerbes einst schreiben
wird, der wird ihm als einem der Bahn-
brecher ein umfangreiches Kapitel widmen
müssen. Er ist durch und durch moderner
Mensch, das Kind des eisernen Zeitalters
der Maschinen, das seine klugen, kalten
Augen in der Welt stampfender Kolben,
schwingender Räder und fauchender Büchsen
mit neuen merkwürdigen Vorstellungen füllte
und daraus einen persönlichen Stil geboren
hat. Seine Kunst bildet die Brücke zur
modernen Technik, darin liegt ihr Haupt-
verdienst, daher kommt es, daß er oft gar
wie ein genialer Ingenieur aussieht.

In der Zeit öder Stilsurrogate trat er als
radikaler Revolutionär auf: Tradition lächer-

1S06. XI. 1.

lieh, Pietät — abgeschmackt, Symbole —
hieratischer Plunder.

Das war etwas Kräftiges, Jugendliches,
wenn auch wohl Grausames und Unbe-
rechtigtes. Aber er brachte auch Neues,
das man hier begeistert pries, dort entsetzt
tadelte, von dem jedenfalls viele lernten.
So schuf er eine Grundlage, das darf nie
vergessen werden. Sein Wesen ist hin-
reichend bekannt:

Er erkennt nur eine Gottheit an und die
heißt Linie, zu ihr betet er. Darin liegt
seine Stärke und seine Schwäche, seine
abstrakte Einseitigkeit und sein Schicksal.

Er ist nicht der Mann der blauen Wunder-
gestade, zu denen man sich abenteuerlustig
treiben läßt, er liebt sichere, feste Ziele,
zu denen er mit starrem Blick, ohne rechts
und links zu schauen, steuert. Er weiß, daß

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