Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 18.1906

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ZUR REVISION DES JAPANISMUS.

Der Japanismus konnte, sobald er über
das enge Gebiet der Malerei hin-
ausging-, immer nur von der Art sein,
die Morris an der japanischen Kunst als
verderblich gegeisselt hatte. Er richtete
nur Unheil an oder trieb zu überflüssigen
Dingen, lockerte noch mehr die schwan-
kende Überlieferung im Gewerbe . . .
aha, höre ich sagen, ein Anathema von
Thodes Gnaden. Es ist aber ein Aus-
spruch Meier-Graefes. Jedermann weiss,
dass dieser Kunsthistoriker sich nicht im
entferntesten national abschnürt; — umso
bedeutsamer und ernster dünken uns seine
Worte. Sie sprechen deutlich aus, was
uns beim Durchwandern kunstgewerblicher

Ausstellungen schon oft arg geängstigt
hat. Der Japanismus nimmt überhand. —
Es ist ein wenig peinlich, dies zuzugestehen.
(Die Ästhetiker sind nämlich daran keines-
wegs schuldlos.) Die Zeit liegt noch nicht
fern, da unentwegt auf Japan gewiesen
wurde als auf ein Wunderland des Kunst-
gewerbes. So kam die Invasion; nicht
wie bis dahin wurde nur Schund, billige
Dutzendware importiert, die schönsten und
edelsten Erzeugnisse einer durch die Jahr-
hunderte gereiften Handgeschicklichkeit
überfluteten den Markt. Hauptsächlich:
Holzschnitte, Lackarbeiten, Schnitzereien,
Bronze und Keramik. Haben wir nun
auch mit den Holzschnitten (wenn Münster-



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