Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 18.1906

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DAS BISMARCK-DENKMAL IN HAMBURG.

Am 2. Juni d. J. wurde das Hamburger Bismarck-
f\ Denkmal enthüllt. Nur die Sockelfiguren
sind noch nicht ausgeführt. Bei dem im Juni 1901
ausgeschriebenen großen Wettbewerb um Entwürfe
für dasselbe, wurde bekanntlich im Januar 1902
dem Architekten E. Schaudt—Berlin und dem
Bildhauer Hugo Lederer ebendaselbst, unter den
eingegangenen 219 Entwürfen der erste Preis zu-
erkannt und den Preisträgern in der Folge auch
die Ausführung ihres großartigen Gedankens über-
tragen. Einige Notizen über den Bau des ge-
waltigen Werkes dürften wohl Interesse finden.

Am 24. April 1903 konnte der Grundstein
gelegt werden. Die Ausführung war der Firma
Ph. Holzmanri & Co.—Frankfurt a. M. über-
tragen, die Leitung des Baues wurde Herrn Bau-
Inspektor Sperber—Hamburg anvertraut. Die
Höhe der Figur sollte auf 12,75 m bemessen
sein, wurde aber vom Künstler auf 14,80 m ge-
steigert, sodass sich nunmehr das Gewicht der
Figur auf 625000 kg steigerte. Für das Fun-
dament mußte hiermit eine Lastvermehrung um
90000 kg berücksichtigt werden, sodaß nach-

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träglich noch erhebliche Verstärkungen der Unter-
Konstruktion erforderlich waren. Die Höhe vom
Plateau bis zum Scheitel der Figur beträgt nun-
mehr 34,30 m. Die Fundamente verbreiten sich
derart, daß der Sockel nur mit 2,5 kg pro qcm
belastet wird. Als Material der Ausführungen
diente Schwarzwälder Granit. Der schwerste Stein
der Hauptfigur hat ein Gewicht von 17320 kg.
Am 3. September 1905 konnten die Bildhauer
mit ihrer Arbeit beginnen. Die Figur selbst
besteht aus 74 Steinen. Die für die Wirklichkeit
erforderliche Vergrößerung der einzelnen Teile
bot erhebliche und ganz ungewöhnliche Schwierig-
keiten. Der Kopf hat eine Höhe von 183 cm
und von Ohr zu Ohr eine Breite von 146 cm.
Die Hände sind 84 cm breit und der Mittel-
finger ist ein Meter lang. Das Schwert ist 10 m
lang. Da dasselbe naturgemäß nicht aus einem
einzigen Stein bestehen konnte, hatte seine Zu-
sammensetzung Konstruktions-Schwierigkeiten ganz
eigner Art. Im ganzen sind für das Denkmal
einschließlich des Unterbaues i4oo cbm Granit
verarbeitet worden. v. w.
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