Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 18.1906

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Jos. Aug. Lux:

PROF. FRANZ METZNER—WIEN.

»Der Todesstoss«

zuleben. Freilich nicht in dem
Sinne, dass sie die Fassaden
mit einem Gespinst fabrik-
mäßiger Formen überzieht und
mit solcherlei unnützem Zierrat
überladet. Unsere Großstädte
bieten in dieser Hinsicht der
abschreckenden Beispiele ge-
nug. — Die Moderne hat natur-
gemäß nicht das Prinzip, Plastik
auszuschliessen, es sei denn
schlechte Plastik. Es wäre
ganz gut zu denken, dass ein
moderner Bau eine Relieffassade
trägt, wofern es einen Künstler
gibt, der eine glückliche pla-
stische Lösung fände. — Unter
den wenigen modernen Künst-
lern der Plastik hat sich Pro-
fessor Franz Metzner rasch ver-
dientes Ansehen erworben, und
es ist für den Kunstfreund und
-Kenner ein dankbarer Versuch,
des Künstlers Eigenart an sei-
nen neueren vorliegenden Ar-
beiten zu studieren. Ein star-
kes Raumgefühl lebt in allen
diesen Formen. Das Wort von
der »Baukunst in der Plastik«
passt auf ihn. — Eine sehr be-
deutende Arbeit ist der Entwurf
für den Nibelungen - Brunnen.
(Abgebildet im Nov.-Heft 1905
der »Deutschen Kunst u. Deko-
ration« Seite 106 u. 107.) In der
Gesamterscheinung des Brun-
nens bewährt sich Metzner als
der Meister weithin sichtbarer
Monumentalität, die auf dem
schlichten und wohlgegliederten
Aufbau der Massen beruht. Die
Form ist auch hier wesentlich
durch gedankliche Schönheiten
bestimmt, die namentlich in der
ragenden Figur Rüdigers, die
auf dem mächtigen, von Reliefs
beseelten Sockel steht, verkör-
pert wird. Hier ist wieder der

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